Ist das das Paradies oder doch nur Peru?

Hallo liebe Leser. Vielen Dank für euer Interesse an, und eure Kommentare zu meinem Blog! Ich grüße euch aus Pucallpa!

Dienstag, 25. Januar 2011

Das Shiringa Projekt in Sinchi Roca und Puerto Nuevo

Hinter der Shiringa (Hevea brasiliensis) verbirgt sich keine geringere Pflanze als der Kautschukbaum. Er hatte am Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem in Brasilien, aber auch hier in Peru (ohne ihn wäre die Stadt Iquitos in ihren heutigen Ausmaßen undenkbar) einen nie wieder erlebten Kautschukboom ausgelöst. Mit der Entdeckung der Möglichkeit, Kautschuk synthetisch herzustellen und mit der erfolgreichen Plantagenzucht in Südostasien, ebbte die Kautschukproduktion in Südamerika und somit die Bedeutung der Shiringa stark ab. Heute ist der Weltmarktpreis für Naturkautschuk wieder so weit angestiegen, dass eine wirtschaftliche Nutzung der Shringa vor allem für die arme Landbevölkerung auch hier in Südamerika wieder interessant wird.

Mein AIDER Mitarbeiter Alejandro hat sich diesem Thema gewidmet und iniziiert momentan ein Shiringa Projekt in zwei indigenen Gemeinden und mehreren ländlichen Ansiedlungen am Rio San Alejandro, etwa 120 Kilometer von Pucallpa entfernt. Ich durfte Alejandro für 5 Tage in das Gebiet des Projektes begleiten. Der Fluss ist übrigens nicht nach ihm benannt.



Am Donnerstag Morgen ging es um 4 Uhr los. Wir fuhren zunächst mit dem Auto nach San Alejandro und stiegen dort auf ein PekePeke um, das Alejandro schon einen Tag vorher für die Abfahrt vorbereitet hatte. Ich sollte die nächsten Tage neben Alejandro auch mit Joel, einem peruanischen AIDER Praktikanten und Rember, einem Shiringa Spezialisten aus dem unteren Ucayali, verbringen. Gegen Mittag kamen wir in Sinchi Roca, eine Gemeinde der Cacataibo Cashibo Indianer, an. Schnell merkte ich, dass Alejandro die Reise sehr gut organisiert hatte (huch...das ist ja ganz AIDER untypisch). Auf einem Gasherd wurde uns von einer Dorfbewohnerin ein leckeres Nudelgericht gezaubert. Wir schlugen unser Nachtlager auf und ließen den ersten Tag ruhig angehen. Am Nachmittag öffnete dann der Himmel seine Pforten. Die Regenzeit ist mittlerweile wirklich angekommen. Es regnete die folgende Nacht und fast den kompletten Freitag durch. Der Fluss stieg in dieser Zeit um 3 Meter an. So etwas hatte ich zuvor noch nie gesehen und war schwer beeindruckt. Innerhalb von nur einem Tag verschwand eine riesige Insel und der anfangs noch klare Fluss verwandelte sich in eine braune reißende Flut. Mal wieder bestätigt sich, dass Wasser eine zerstörerische Naturhewalt ist, vor der man unbedingt Respekt bewahren muss.



Notgedrungen verbrachten wir so den Freitag in unserer trockenen Schlafhütte in der Gemeinde. Mir war das auch ganz recht, denn ich hatte mir noch in Pucallpa meine erste Erkältung in Peru, wahrscheinlich, weil ich meinen neuen Ventilator unbedingt auf Stufe 3 die ganze Nacht testen musste, eingefangen.

Am Samstag ging dann die geplante Arbeit los. Unser Team fuhr mit Steuermann, dessen Frau und einem alten Dorfbewohner in einen Nebenfluss, um dort GPS Daten zu den Standorten der Kautschukbäume zu sammeln. Der Wald war hier noch wunderschön. Zwei wilde Otter kreuzten unseren Weg und bunter Vögel entflohen unserem knatternden Peke Motor. Der Tag bleibt mir als schönes Urwaldabenteuer, glücklicherweise mit nur wenig Regen, in Erinnerung.




Am Sonntag führten wir eine Informationsveranstaltung für die Dorfbewohner durch. Als "Köder" hatten wir reichlich Kekse und Getränke mitgebracht, sodass das Gemeindezentrum brechend voll war. Anschließend bestiegen wir unser Boot und fuhren weiter flussaufwärts nach Puerto Nuevo, eine weitere Gemeinde, die an dem Projekt teilnehmen wird. Hier hatten wir nur sehr wenig Zeit. Nach einigen Gesprächen mit den Dorfbewohnern und nur einer Nacht ging es am Montag morgen schon wieder zurück richtung Pucallpa.





Mir haben die Tage am Rio San Alejandro sehr gut gefallen. Auch wenn ich auch hier eher ein nebenstehender Beobachter, als wirklicher Mitarbeiter war, kann ich mir vorstellen, auch die nächste Reise, um den 15. Februar, zu begleiten.

3 Kommentare:

  1. Hallo Alessandro,
    wir sind eifrige Leser Deines Blogs und sind natürlich begeistert. Du schreibst so bildhaft und es ist ein bißchen so, als wäre man selber mit dabei.Wir warten gespannt auf die Fortsetzung. Lieben Gruß von Birgit und Klaus

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  2. wer ist denn der Kerl mit dem roten bart?

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  3. Super, endlich wieder mit Bildern.
    Ich frage mich auch, wer der Typ mit dem roten Bart ist. Alejandro oder etwa doch Alessandro?

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