Ist das das Paradies oder doch nur Peru?

Hallo liebe Leser. Vielen Dank für euer Interesse an, und eure Kommentare zu meinem Blog! Ich grüße euch aus Pucallpa!

Donnerstag, 13. Januar 2011

Erster Zwischenbericht

1. Ankunft im Land

Am 08.08.2010 begann für mich mein weltwärts-Jahr in Peru. Wir kamen mit einer 18 köpfigen Freiwilligengruppe Abends am Flughafen von Lima an, wo wir bereits von unseren Koordinatoren Mechthild und Olaf erwartet wurden. Mit einem kleinen Bus fuhren wir ohne Komplikationen in ein Hostel im Stadtteil Miraflores, das für die nächsten Tage Austragungsort unseres Einführungsseminars sein sollte.

1.1 Einführungsseminar im Gastland

Nachdem wir auf unserem Vorbereitungsseminar in Deutschland vom ASA-Team ausführlich auf einen welwärts-Einsatz im Allgemeinen vorbereitet wurden, erhoffte ich mir vom Einführungsseminar einige landesspezifischen Informationen über Peru und ins Besondere über mein Projekt.

Ich konnte meinen Horizont über die Kultur und die Menschen Perus in den 5 Tagen erweitern. Neben den Themen „Rassismus in Peru“ und „Verhaltensregeln am Einsatzplatz“ war dabei die alternative Stadtrundfahrt mit Alois Kenenrknecht mein persönliches Highlight. Ich konnte für mich dabei persönlich deutlich mehr mitnehmen als ich es in Workshops und Vorträgen getan hätte. Eine spezifische Vorbereitung für mein Projekt musste ich leider auch bei dem Einführungsseminar vermissen. Zu der Organisation ist zu bemerken, dass sie den Umständen, Müdigkeit auf der einen- Vorfreude und Neugierde auf das Land auf der anderen Seite, angemessen war. Es gab einen groben Leitfaden für die 5 Seminartage, doch dieser wurde flexibel gehandhabt. Der Ort, ein gemütliches Hostel mit Wireless-Internet, war ideal für ein solches Seminar.

1.2 Ankunft auf dem Einsatzplatz, Aufnahme, Einarbeitung

Am Abend des 13.08.2010 kam ich am Flughafen von Pucallpa an. Dort wurde ich von meinem Gastvater Jorge, dem Regionalleiter von AIDER, Pio, dem DED Entwicklungshelfer Manuel und Claudi, einer weltwärts Freiwilligen, die kurz vor dem Abschluss ihres Jahres stand, empfangen. Man brachte mich zu meiner Gastfamilie. Die Aufnahme war herzlich, doch mir wurde schnell klar, dass ich hier nicht sehr lange wohnen würde. Ich wollte erstens nicht in einer Gastfamilie leben und zweitens störte mich, dass mein Gastvater von mir mehr Miete als von meinen Vorgängern verlangen wollte.

Am folgenden Montag bestritt ich meinen ersten Arbeitstag bei AIDER. Ich ging mit Julie, einer luxemburgischen Kurzfreiwilligen, zum Büro, wo ich auf Manuel traf. Er teilte mir mit, dass der Chef, Pio, diese Woche nicht da sein würde und dass mich deswegen Edinson, ein anderer Mitarbeiter, in die Arbeit einführen sollte. Der wusste davon jedoch nichts und so verbrachte ich den ersten Tag und die darauffolgenden mit persönlichn Erledigungen im Internet. Mit der Zeit lernte ich meine restlichen Mitarbeiter kennen, mit denen ich mich übrigens sehr gut verstehe, doch eine richtige Einführung in meine Arbeit bei AIDER konnte ich bis jetzt nicht genießen. Eine Richtige Arbeit bei AIDER gibt es für mich nicht,

2. Aktivitäten am Einsatzplatz

Meine Aktivitäten im Büro beschränken sich dementsprechend hauptsächlich auf persönliche Erledigungen im Internet. Zwar konnte ich im ersten Monat einige Male bei Manuels Projekt, der Baustelle eines Lager- und Verarbeitungszentrums für zertifizierte Tropenhölzer, mithelfen, doch seit dem die Finanzierungsquellen hierfür bereits Ende September erschöpft waren, gibt es dort momentan auch nichts für mich zu tun. Ich weiß, dass meine Unterbeschäftigung im Büro zu einem Teil auch selbst verschuldet ist. Ich hätte wohl von Anfang an noch intensiver eigene Aufgaben suchen sollen. Doch ich habe auch nicht erwartet, dass sich in keinster Weise im Vorhinein Gedanken über eine Mögliche Arbeit für mich gemacht wurden. Um der oft frustrierenden „Internet-Surferei“ im Büro zu entfliehen – immerhin sitze ich an schlechten Tagen von 8-13 Uhr und von 15-18Uhr durchgehend am Computer – versuche ich so häufig wie möglich in die indigenen Gemeinden, wo AIDER sein Holz-Zertifizierungsprojekt realisiert, zu kommen. Zwar gibt es auch dort keine richtige Arbeit für mich, doch ich kann an einigen Aktivitäten der AIDER Techniker und an dem täglichen Leben der Bewohner teilnehmen. Ich möchte an diesem Punkt betonen, dass jede meiner 4 Reisen in eine indigene Gemeinde auf meine Eigeninitiative zurückzuführen ist, und dass ich alle anstehenden Ausgaben (Anfahrt, Treibstoff, Verplegung) aus eigener Tasche bezahlt habe. Ußerdem ist noch zu erwähnen, dass ich einige Zeit zusammen mit meiner Mitfreiwilligen, Melanie, zusammen an einem Müllmanagement Projekt in den indigenen Gemeinden gearbeitet habe. In dieser Zeit hatte ich zwar die Arbeit, die ich mir gewünscht hatte und momentan immer noch wünsche, doch ich habe mich aus verschieden Gründen gegen dieses Projekt entschieden. Erstens gefiel mir die Einstellung von AIDER nicht. Man verfolgte meiner Meinung nach nur ein politisches Interesse, wollte nur, dass in sieben Gemeinden ein System, egal ob es funktioniert oder nicht, vorhanden ist und ließ so wichtige Aspekte unbeachtet. Zweitens waren die Herangehens- und Arbeitsweisen von mir und Melanie grundverschieden, was für mich zwangsläufig zu Konflikten geführt hätte und drittens muss ich im Nachhinein erkennen, dass ich hinter einem Projekt dieser Art nicht mit voller Überzeugung stehen kann. Momentan habe ich also keine Aktivitäten am Einsatzplatz, was mich persönlich sehr demotiviert hat. Ich muss im nächsten Jahr etwas ändern.

2.1 Unterstützung durch Mentor/in / Landesbüro

Meine Koordinatorin Mechthild gibt mir das Gefühl, dass sie in schwierigen Situationen und Notfällen für mich da ist. Als meine Mitbewohner und ich bezüglich der Höhe unserer Miete einen Konflikt hatten, konnte sie uns helfen. Als ich sie über meine Probleme auf der Arbeit in einem Einzelgespräch informierte, konnte sie mir zwar Mut machen, doch die Probleme sind bis jetzt immer noch vorhanden. Insgesamt möchte ich aber ihre und die Unterstützung des Landesbüros nur so wenig wie nötig in Anspruch nehmen. Meiner Meinung nach gehört es zu einem weltwärts-Jahr dazu, dass man Probleme lernt zu lösen und sich allen Schwierigkeiten stellt um so viel wie möglich von der Arbeit und dem Leben in der Kultur des Partnerlandes für sich persönlich mitzunehmen.

2.2 Perspektiven

Für das neue Jahr habe ich mir vorgenommen, mir mit neuem Mut und neuer Motivation eine längerfristige Aufgabe zu suchen. Ich konnte bereits durch Gespräche mit anderen Freiwilligen und mit Manuel meine Probleme reflektieren und muss feststellen, dass ich zu großen Teilen auch selbst dafür verantwortlich bin, dass ich mein weltwärts-Jahr auf der Arbeitsebene bis jetzt noch nicht als Erfolg bezeichnen kann. Ich werde nächstes Jahr zunächst versuchen, in einem AIDER-Arbeitsfeld eine feste Position zu finden. Momentan macht mir ein Projekt, dass sich der Produktion von Naturkautschuk in indigenen Gemeinden widmet, Hoffnung. Falls ich dort jedoch keine Arbeit finden sollte, werde ich ein eigenes Projekt realisieren. Glücklicherweise ist AIDER dem gegenüber sehr offen, sodass mir eigentlich alle Möglichkeiten gegeben sind, mich und ein Projekt selbst zu verwirklichen.

3. Leben im Partnerland: Unterkunft, Verpflegung, Kontakte u.a.

Meinen ersten Monat in Pucallpa lebte ich in einer Gastfamilie. Mein Start dort verlief leider etwas unharmonisch. Mein Gastvater wollte von mir statt vereinbarten 320 Soles 350 Soles Miete verlangen. Zwar ließ er sich auf 320 Soles ein, doch zeigte mir dieser Umstand, dass nicht ich, sondern mein Geld bei dieser Familie willkommen war. Die Tatsache, dass ich von Anfang an lieber in einer Wohngemeinschaft mit Freiwilligen leben wollte, machte mir die Entscheidung leicht, nach einem Monat auszuziehen. Ich lebe nun zusammen mit 3 anderen DED-Weltwärtslern bei eine Peruanerin, Techy, die für jeden von uns ein Zimmer mit Bad zur Verfügung stellt. Wir können ihre Hasuhaltsgeräte, die Küche und den Garten mit benutzen. Ich fühle mich momentan sehr wohl dort. Zwar hatten wir in letzter Zeit auch einige Probleme mit Techy, was sich jedoch hauptsächlich auf unser teilweise unangebrachtes Verhalten bezieht. In einem Krisengespräch haben wir einen langen Regelkatalog bekommen, den wir nun einhalten und merken, dass wir so viel besser miteinander auskommen. Momentan verbessert sich die Stimmung wieder und ich bin zuversichtlich, dass ich auch die nächsten 6 Monate dort leben bleibe.

Neben meiner Arbeit habe ich für Freizeitaktivitäten hauptsächlich am Wochenende Zeit. Ich gehe oft mit meinen Mitbewohnern in Diskotheken und wir machen ab und zu Ausflüge in die nähere Umgebung Pucallpas. Dabei ist oft Alex, der brasilianische Ehemann einer deutschen DED-Entwicklungshelferin, unser Begleiter. Ich würde ihn hier als meinen besten Freund bezeichnen. Neben ihm habe ich einige Kontakte mit Peruanern. Leider haben sich noch keine wirklichen Freundschaften entwickelt. So etwas braucht Zeit. Mit meinen Arbeitskollegen komme ich gut zurecht, doch privat unternehme ich in der Regel nichts mit ihnen. Ich wünsche mir für das neue Jahr, dass ich neue Leute kennenlerne, mit denen ich meine Freizeit verbringen kann.

4. Erkennbare Probleme, Lösungsvorschläge

Insgesamt sehe ich bei weltwärts mit dem DED ein großes Problem. Dieses bezieht sich nicht auf das private Leben, sondern auf die Arbeit im Partnerland. Ich habe das Gefühl, dass sich mein Projekt wenig oder gar nicht auf die einjährige Zusammenarbeit mit einem Freiwilligen vorbereitet hat. Zwar bringe ich im Gegensatz zu einem Entwicklungshelfer wenig Qualifikationen mit, doch ich denke, dass das deutsche Abitur bereits die Grundlage für einige Arbeiten bilden kann. Dementsprechend könnte ich im Büro von AIDER sicherlich einige Aufgaben übernehmen, doch bis jetzt war dies leider nicht der Fall. Beim Gespräch mit anderen DED Freiwilligen musste ich feststellen, dass mein Problem kein Einzelfall ist. Viele Freiwillige sind auf ihrer Arbeit stark unterbeschäftigt, verlieren so ihre Motivation, täglich nach Aufgaben zu fragen, und fallen so unter Umständen, wie es mir glaube ich passiert ist, in ein tiefes Loch aus Selbstmitleid und Unmotiviertheit. Mein Lösungsvorschlag für dieses Problem ist, dass die Projekte intensiver auf die Zusammenarbeit mit einem Freiwilligen vorbereitet werden sollten. Dabei könnte auf einer Seite helfen, bereits vor dem welwärts-Jahr über E-Mail einen Kontakt zwischen dem Projekt und dem Freiwilligen herzustellen, um bereits vor der Ankunft im Gastland über mögliche Aufgaben zu kommunizieren. Auf der anderen Seite kommt an diesem Punkt die Frage nach der Menge der Freiwilligen auf. Können zwei Koordinatoren für 46 Freiwillige gute Projekte finden?

Von kleineren welwärts-Organisationen habe ich gehört, dass die Zusammenarbeit zwischen Entsendeorganisation und Projekt viel intensiver ist und somit auch Aufagebn für den Freiwilligen vorhanden sind. Mein Lösungsvorschlag für das Problem ist also, dass die Partnerorganisationen durch intensivere Zusammenarbeit mit der Entsenderorganisation in Zukunft besser auf die Freiwilligen vorbereitet werden. Dabei sollte man übelegen, vielleicht weniger Freiwillige zu entsenden, um jedem die Möglichkeit zu geben, eine wirkliche Arbeit zu bekommen.

5. Bisherige Lernerfahrungen, Besonderheiten

Ich konnte bisher viel über die peruanische Kultur lernen. Hier ist nicht der richtige Ort, all diese Erfahrungen aufzuzählen, doch ich möchte erwähnen, dass ich glaube, mitlerweile vieles zu verstehen, was mir am Anfang noch komisch vorkam. Dies bezieht sich hauptsächlich auf die Arbeitsweise im Büro und deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass ich im neuen Jahr eine Arbeit finden und mich neu motivieren kann.

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