Mittlerweile bin ich schon drei Tage in Lima. Gestern hatten wir einen Seminartag. Wir haben einige Fragen mit den DED Koordinatoren Olaf und Mechthild, die übrigens wirklich sehr nett und hilfsbereit sind, geklärt und einen Vortrag über NGO Arbeit und Rassismus in Peru gehört. Dies war recht informativ, sodass ich mich mittlerweile schon sehr gut auf meinen Einsatz als Freiwilliger vorbereitet fühle. Daneben haben wir gestern auch alle restlichen Handykarten gekauft. Ich habe jetzt eine CLARO Karte. Allerdings soll in Pucallpa das CLARO Netz nicht so stabil sein, weshalb ich mir da wohl noch eine MOVISTAR Karte (das Konkurentunternehmen) besorgen werde. Bei umgerechnet 4 Euro für eine Simkarte ist dies aber nicht weiter schlimm.
Heute war dann die alternative Stadtrundfahrt, auf die ich mich ja schon im Vorhinein so sehr gefreut hatte, auf dem Programm. Wir wurden um 11 Uhr von einem Bus und unserem Führer Alois Kennerknecht, einem Deutschen, der bereits seit 1986 in Lima lebt und hier selbstständig Projekte realisiert, abgeholt. Unsere Tour führte uns zunächst in den Stadtteil San Juan de Miraflores. Hier bot sich uns ein ganz Neues Stadtbild von Lima. Anstatt eingezäunten Wohnhäusern, neuen Hochhäusern und amerikanischen Fastfood Ketten fanden wir hier unfertige und unverputze Steinbauten. Es liefen viele Menschen auf den Straßen herum, die einen Bus voll mit Gringos möglicherweise noch nie zuvor gesehen hatten. Alois erzählte uns, dass in Stadtvierteln wie diesem mehr als 60 Prozent der Limeños (Bewohner Limas) wohnen. 80 Prozent der Bewohner der reicheren Stadtviertel wie Miraflores, La Molina, Surco oder San Isidro jedoch haben Stadtteile wie San Juan de Miraflores zuvor noch nie gesehen. Dies spiegelt für mich die Gegensätze der Stadt Lima wider. Auf der einen Seite wird man direkt am Flughafen von einem riesigen Plakat, auf dem in großen Buchstaben steht: "Peru, Weltmeister in der Reduktion von Armut" steht, empfangen, auf der anderen Seite scheinen die Bewohner der Reichen Stadtteile die Realität der meisten Bewohner Limas gar nicht zu erfassen.



In San Juan de Miraflores haben wir uns einige Projekte von Alois angeschaut. Alois realisiert hauptsächlich ökologische Projekte, wobei es um den nachhaltigen Wasserhaushalt in Lima, immerhin nach Kairo die zweitgrößte Wüstenhauptstadt der Welt, die unter ernormer Wasserknappheit leidet, da es hier so gut wie nie regnet und die Andengletscher als einzige Wasserquelle in Folge des Klimawandels immer weiter schrumpfen, geht. Er begrünt Wüstenboden, der auf den ersten Blick gar kein Leben zulässt. Eine besonders widerstandfähige Graspflanze hat er zum Beispiel an einem Müllberg unterhalb einem Imbissstand, der natürlich Abwasser produziert, platziert, um den Bewohnern zu zeigen, dass es sehr viele ungenutzte Wasserquellen gibt. In einer Schule hat er in Zusammenarbeit mit den Eltern der Schüler einen ganzen Wüstenberg begrünt. Er hat einfach vom lokalen Markt die organischen Abfälle eingesammelt, diese kompostiert und somit Nährstoffe und Feuchtigkeit auf den Wüstenberg gebracht. Alois sagt: “Man darf keine Armut sehen, nur Möglichkeiten”. Die Menschen in der Umgebung der Schule haben die Möglichkeiten erkannt. Nach kurzer Zeit musste man bereits früh morgens zum Markt gehen, um überhaupt noch einen Eimer mit Obst- und Gemüseabfällen ergattern zu können. Die Bewohner rings um die Schule haben sich kleine Nutzgärten angelegt und können somit aus eigener Kraft ihre Situation wenigstens ein bisschen verbessern.
Ein anderes Beispiel sind die sogenannten Ecosilos. Das sind einfache in den Erd- beziehungsweise Wüstenboden eingelassene Kompostiersilos. Alois hat bereits hunderte dieser Ecosilos in Privathaushalten, Schulen und an anderen Stellen installiert. Den Menschen wird so einerseits ermöglicht, ihren organischen Abfall zu beseitigen, damit beispielsweise Straßenhunde nicht mehr an den Müll gehen und möglicherweise Krankheiten mit sich bringen. Andererseits bietet das Endprodukt der Kompostierung einen hervorragenden Nährboden für Nutzpflanzen wie Tomaten und Kräuter. Alois hat hier wieder Möglichkeiten gesehen. Es gibt viel Abfall in Peru. Man darf nicht die Armut der Menschen sehen, und möglicherweise verschwenderisch mit den Geldern der Entwicklungszusammenarbeit um sich werfen. Man muss die Möglichkeiten sehen, wie Menschen aus ärmeren Verhältnissen aus eigener Kraft ihre Situation verbessern können. So kann bereits mit geringem finanziellen Aufwand Armut bekämpft werden.
Unsere Rundfahrt führte uns in den Stadtteil Villa Maria del Triunfo. Hier besuchten wir weitere Projekte von Alois. Außerdem fuhren wir zu dem zweitgrößten Friedhof Südamerikas. Ein riesiges Areal, mitten zwischen knochentrockenen Bergen, was mit Kreuzen und bunten Schreinen übersäht war. Eine Friedhofsathmosphäre, wie ich sie aus Deutschland kenne, kam hier nicht auf, weil das Grün zu fehlen schien. Ein wirklich sehr beeindruckendes Erlebnis.
Weiter führte uns unsere Tour an einer riesigen Zementfabrik vorbei. Die Ausdehnung dieser Fabrik war wirklich enorm. Ihr Grenzen waren nur manchmal in Form von Mauern auf den mehrere Kilometer entfernten Bergkämmen zu sehen. Diese Mauer dient als Schutz vor Besiedlung. Lima ist eine der am schnellsten wachsenden Städte weltweit. Jedes Jahr strömen Hunderttausende neue Bewohner in diese Stadt. So kommt es häufig vor, dass kahle Täler und Berge innerhalb von kürzester Zeit besiedelt werden und ihr Gesicht komplett verändern.
Über Villa El Salvador, ein weiterer von Lima´s 42 Stadtteilen, die für sich selber eigentlich schon kleine Großstädte sind, ging es dann wieder zurück in unser Hostal. Die alternative Stadtrundfahrt war ein voller Erfolg. Ich war wirklich beeindruckt und bewegt von den Bildern, die ich gesehen habe. Sicherlich werde ich diesen Tag nicht so schnell vergessen. Die Aussage von Alois: “Man darf nicht Armut sehen, sondern nur Möglichkeiten”, hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich werde mich oft daran erinnern.
Heute war dann die alternative Stadtrundfahrt, auf die ich mich ja schon im Vorhinein so sehr gefreut hatte, auf dem Programm. Wir wurden um 11 Uhr von einem Bus und unserem Führer Alois Kennerknecht, einem Deutschen, der bereits seit 1986 in Lima lebt und hier selbstständig Projekte realisiert, abgeholt. Unsere Tour führte uns zunächst in den Stadtteil San Juan de Miraflores. Hier bot sich uns ein ganz Neues Stadtbild von Lima. Anstatt eingezäunten Wohnhäusern, neuen Hochhäusern und amerikanischen Fastfood Ketten fanden wir hier unfertige und unverputze Steinbauten. Es liefen viele Menschen auf den Straßen herum, die einen Bus voll mit Gringos möglicherweise noch nie zuvor gesehen hatten. Alois erzählte uns, dass in Stadtvierteln wie diesem mehr als 60 Prozent der Limeños (Bewohner Limas) wohnen. 80 Prozent der Bewohner der reicheren Stadtviertel wie Miraflores, La Molina, Surco oder San Isidro jedoch haben Stadtteile wie San Juan de Miraflores zuvor noch nie gesehen. Dies spiegelt für mich die Gegensätze der Stadt Lima wider. Auf der einen Seite wird man direkt am Flughafen von einem riesigen Plakat, auf dem in großen Buchstaben steht: "Peru, Weltmeister in der Reduktion von Armut" steht, empfangen, auf der anderen Seite scheinen die Bewohner der Reichen Stadtteile die Realität der meisten Bewohner Limas gar nicht zu erfassen.
In San Juan de Miraflores haben wir uns einige Projekte von Alois angeschaut. Alois realisiert hauptsächlich ökologische Projekte, wobei es um den nachhaltigen Wasserhaushalt in Lima, immerhin nach Kairo die zweitgrößte Wüstenhauptstadt der Welt, die unter ernormer Wasserknappheit leidet, da es hier so gut wie nie regnet und die Andengletscher als einzige Wasserquelle in Folge des Klimawandels immer weiter schrumpfen, geht. Er begrünt Wüstenboden, der auf den ersten Blick gar kein Leben zulässt. Eine besonders widerstandfähige Graspflanze hat er zum Beispiel an einem Müllberg unterhalb einem Imbissstand, der natürlich Abwasser produziert, platziert, um den Bewohnern zu zeigen, dass es sehr viele ungenutzte Wasserquellen gibt. In einer Schule hat er in Zusammenarbeit mit den Eltern der Schüler einen ganzen Wüstenberg begrünt. Er hat einfach vom lokalen Markt die organischen Abfälle eingesammelt, diese kompostiert und somit Nährstoffe und Feuchtigkeit auf den Wüstenberg gebracht. Alois sagt: “Man darf keine Armut sehen, nur Möglichkeiten”. Die Menschen in der Umgebung der Schule haben die Möglichkeiten erkannt. Nach kurzer Zeit musste man bereits früh morgens zum Markt gehen, um überhaupt noch einen Eimer mit Obst- und Gemüseabfällen ergattern zu können. Die Bewohner rings um die Schule haben sich kleine Nutzgärten angelegt und können somit aus eigener Kraft ihre Situation wenigstens ein bisschen verbessern.
Ein anderes Beispiel sind die sogenannten Ecosilos. Das sind einfache in den Erd- beziehungsweise Wüstenboden eingelassene Kompostiersilos. Alois hat bereits hunderte dieser Ecosilos in Privathaushalten, Schulen und an anderen Stellen installiert. Den Menschen wird so einerseits ermöglicht, ihren organischen Abfall zu beseitigen, damit beispielsweise Straßenhunde nicht mehr an den Müll gehen und möglicherweise Krankheiten mit sich bringen. Andererseits bietet das Endprodukt der Kompostierung einen hervorragenden Nährboden für Nutzpflanzen wie Tomaten und Kräuter. Alois hat hier wieder Möglichkeiten gesehen. Es gibt viel Abfall in Peru. Man darf nicht die Armut der Menschen sehen, und möglicherweise verschwenderisch mit den Geldern der Entwicklungszusammenarbeit um sich werfen. Man muss die Möglichkeiten sehen, wie Menschen aus ärmeren Verhältnissen aus eigener Kraft ihre Situation verbessern können. So kann bereits mit geringem finanziellen Aufwand Armut bekämpft werden.
Unsere Rundfahrt führte uns in den Stadtteil Villa Maria del Triunfo. Hier besuchten wir weitere Projekte von Alois. Außerdem fuhren wir zu dem zweitgrößten Friedhof Südamerikas. Ein riesiges Areal, mitten zwischen knochentrockenen Bergen, was mit Kreuzen und bunten Schreinen übersäht war. Eine Friedhofsathmosphäre, wie ich sie aus Deutschland kenne, kam hier nicht auf, weil das Grün zu fehlen schien. Ein wirklich sehr beeindruckendes Erlebnis.
Weiter führte uns unsere Tour an einer riesigen Zementfabrik vorbei. Die Ausdehnung dieser Fabrik war wirklich enorm. Ihr Grenzen waren nur manchmal in Form von Mauern auf den mehrere Kilometer entfernten Bergkämmen zu sehen. Diese Mauer dient als Schutz vor Besiedlung. Lima ist eine der am schnellsten wachsenden Städte weltweit. Jedes Jahr strömen Hunderttausende neue Bewohner in diese Stadt. So kommt es häufig vor, dass kahle Täler und Berge innerhalb von kürzester Zeit besiedelt werden und ihr Gesicht komplett verändern.
Über Villa El Salvador, ein weiterer von Lima´s 42 Stadtteilen, die für sich selber eigentlich schon kleine Großstädte sind, ging es dann wieder zurück in unser Hostal. Die alternative Stadtrundfahrt war ein voller Erfolg. Ich war wirklich beeindruckt und bewegt von den Bildern, die ich gesehen habe. Sicherlich werde ich diesen Tag nicht so schnell vergessen. Die Aussage von Alois: “Man darf nicht Armut sehen, sondern nur Möglichkeiten”, hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich werde mich oft daran erinnern.
Hört sich ja interessant an. Was sind Lime~nos?
AntwortenLöschenMiraflores isr ein reiches Stadtviertel und San Juan de Miraflores ein armes Stadtviertel, richtig?
Ich habe den Eindruck, dass ihr sehr gut auf euren Aufenthalt vorbereitet werdet und ich fühle dich in guten Händen. Der DED scheint gut organisiert euch zu begleiten.
Mit deinem Mobiltelefon wirst du dann innerhalb Perus telefonieren und für deine Organisation erreichbar sein. Hast du eine Prepayed Karte oder läuft es über Vertrag?
Ich bin gespannt auf deine weiteren Berichte
Viele Grüße M.M.