Ist das das Paradies oder doch nur Peru?

Hallo liebe Leser. Vielen Dank für euer Interesse an, und eure Kommentare zu meinem Blog! Ich grüße euch aus Pucallpa!

Dienstag, 19. Oktober 2010

Curiaca und Pueblo Nuevo

Am Montag Nachmittag ging es für mich das zweite mal in eine Shipibo Comunidad. Zusammen mit dem AIDER Techniker Eder fuhr wir zunächst mit dem Mototaxi zum Hafen von Pucallpa. Unser Ziel war Curiaca. Curiaca ist im Vergleich zu Callería etwas größer und liegt flussaufwärts. Im Hafen waren einige etwa 25 Meter lange und 4 Meter breite ziemlich vollbepackte Boote festgemacht. Wir entschieden uns für die „Adonay“. Im Passagierraum, der sich über die gesamte Länge des Bootes hinzog, war schon eine Hängematte an die nächste gereit. Ich konnte mich zum Glück noch im hinteren Teil, genau neben dem riesigen und stinkenden chinesischen Motor, zwischen zwei andere Hängematten quetschen. Unter mir war jede Menge Ladung verstaut. Auf diesen Booten, die Colectivo genannt werden, wird anscheinend alles transportiert, was irgendwer irgendwo im Amazonasgebiet gerade braucht. Zwischen Papayas und Reissäcken, Bananenstauden und 3-Liter-Coca Cola Flaschen und jeder Menge anderer Ladung, war auch immer wieder das Krähen von Hühnern zu vernehmen.

Eder hatte nicht so viel Glück wie ich. Er musste die ganze Fahrt auf den Bänken an der Seite sitzen. Dazu sei gesagt, dass es sich bei dieser Fahrt nicht etwa um 6 Stunden wie nach Calleria handelte, sondern um ganze 24 Stunden. Flussaufwärts kamen wir gegen die starke Strömung nur langsam voran und an jedem noch so kleinen Hafen wurde Halt gemacht um Passagiere und Fracht auf- oder abzuladen.

Die Fahrt war wirklich sehr abenteuerlich. Da ich leider meine Decke und meine langen Klamotten in meiner Tasche verstaut hatte, die irgendwo im Boot, aber leider nicht bei mir war, fror ich ein wenig bei den doch recht kühlen Nachttemperaturen auf dem Fluss.

Um 3 Uhr am nächsten Nachmittag kamen wir dann endlich in Curiaca an. Curiaca liegt an einer kleinen Quebrada, die Caco heißt. Eine Quebrada hat die Form eines Flusses, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass sie keine Quelle besitzt, sondern ihr Wasser aus dem Fluss in den sie mündet, in diesem Fall der Ucayali, bezieht. Wir fingen direkt mit unserer Arbeit an, weil wir schon am Freitag zurück nach Pucallpa fahren und auch noch einer andern Comunidad, Pueblo Nuevo, einen Besuch abstatten wollten. Unsere Aufgabe für die nächsten Tage war erstens Daten für ein Kunsthandwerksprojekt zu erheben und zweitens mit den Holzfällern eine Baumzählung und Kartografierung im Wald zu planen.

die Quebrada "Caco"

Straße in Curiaca - es gibt hier keine Fahrzeuge und die Laternen werden auch nur zu Festlichkeiten angemacht, weil der Treibstoff für den Generator sehr teuer ist

typische Häuser

hier werden über ein Megaphon Tag und Nacht die Neuigkeiten in Curiaca verkündet

Das Kunsthandwerksprojekt verfolgt das Ziel, die Vermarktung der verschieden Produkte zu fördern und zwischen den verschieden Comunidades einen gesunden Wettbewerb und Zusammenarbeit zu fördern. Eder hatte einen ganzen Stapel Fragebögen dabei. So zogen wir von Haus zu Haus und füllten mit Hilfe von Silverio, einem anderen AIDER Techniker, der bereits vor Ort war und der uns bei Sprachhindernissen behilflich war (die geläufige Sprache in den Comunidades ist Shipibo - zwar wird Spanisch auch in der Schule unterrichtet und auch von vielen Leuten gesprochen, doch besonders die älteren Frauen haben ihre Probleme), die Fragebögen aus. Ich sollte mit meiner Kamera dokumentieren und die verschieden Produkte fotografieren.

Unterschrift für das Kunsthandwerksprojekt

Töpfereien mit Shipibo Muster


aus diesen Samen werden Armbänder hergestellt

Die Planung der Baumzählung belief sich darauf, dass Eder eine Versammlung einberief. Es waren zwar einige Männer da, doch sie schienen meines Erachtens desinteressiert an dem, was Eder erzählte. Ich bin gespannt, ob Eder´s Plan, Anfang November mit den Männern für 7 Tage in den Wald zu gehen und Bäume zu zählen, in die Tat umgesetzt wird.

So vergingen 3 Tage in Curiaca und ich hatte viel weniger Zeit als in Calleria am Leben der Comuneros teilzuhaben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das war zwar etwas schade, allerdings muss man bedenken, dass wir ja zum abeiten nach Curiaca gefahren sind. Der einzige wirkliche Kontakt, den ich mit den Comuneros hatte, war mit Alexander, dem 12 jährigen Sohn des Präsidenten des Holzfällerkomitees. Er war wirklich sehr intelligent. Es hat richtig Spaß gebracht sich mit ihm zu unterhalten, im Fluss (bzw. Quebrada) zu baden und wilde Früchte zu suchen. Für das Müllprojekt habe ich schließlich noch ein paar Fotos in Curiaca geschossen. Es war erschreckend zu sehen, wie viel Müll sich bereits im Gebüsch hinter den Häusern angesammelt hat. Curiaca hat im Gegensatz zu Calleria noch keinen einzigen Mülleimer, hat aber durch die regelmäßig verkehrenden Colectivos einen viel intensiveren Konsum von müllproduzierenden Produkten wie Keksen, Limonaden und Dosen. Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist außer Frage. Sofern das Projekt in die Tat umgesetzt wird, werde ich sicherlich wieder nach Curiaca fahren und werde dann hoffentlich etwas mehr von dieser Comunidad kennenlernen.

hinter den romantischen palmgedeckten Häusern der Comunidad sieht es leider allzu häufig so unromantisch aus

So ging es am Donnerstag Mittag dann auf nach Pueblo Nuevo. Wir entschieden uns zu Fuss zu gehen, weil ich noch etwas von dem Wald kennenlernen wollte. Auf dem einstündigen Weg rissen bereits nach 5 Minuten die Trageriemen meiner 6-Sol Wini Poo Tasche ab. Es war äußerst anstrengend die schätzungsweise 15 Kilo auf Schultern und Kopf bei 35 Grad Hitze zwischen dichtem Unterholz zu manövrieren. Zu allem Unglück führte uns das GPS Gerät auch an unserem Ziel vorbei. So erreichten wir erst nach eineinhalb Stunden völlig durchgeschwitzt Pueblo Nuevo. Diese Comunidad unterscheidet sich von der Größe her nicht wesentlich von Curiaca. Sie liegt ebenfalls an der Caco Quebrada. Im Zenturm liegt der Fußballplatz, um den sich Wohnhäuser und alle wichtigen Gebäude, wie die Schulen und das Holzwirtschaftrsbüro, in dem wir übernachteten, gruppieren. In Pueblo Nuevo mussten wir alles was wir in Curiaca gemacht hatten in nur etwa 24 Stunden schaffen. Demenstprechend lernte ich von dieser Comunidad noch weniger kennen.

Fußballplatz in Pueblo Nuevo

Auf diesem Herd wird gekocht

Am Freitag Mittag fuhren wir mit einem Peke Peke von Pueblo Nuevo zur Anlegestelle der Adonay. Man hat uns statt Benzin leider Petroleum verkauft. In einer hetzigen Aktion mussten wir so den Motor ausleeren und schnell Benzin besorgen. Hätten wir die Adonay verpasst, müssten wir 2 weitere Tage in Pueblo Nuevo oder Curiaca verbringen, was uns vor dem Hintergrund, dass all unsere Essensvorräte bereits aufgebraucht waren, als nicht sonderlich schön erschien. Schließlich kamen wir an der Anlegestelle an,und waren erleichtert, dass die Adonay noch nicht angekommen war. Wir mussten sogar noch 2 Stunden warten – hier in der Amazonía ticken die Uhren einfach ezwas anders – bis das farbenfrohe Boot endlich auftauchte. Die Rückfahrt war ähnlich wie die Hinfahrt. Auf dem Boot waren deutlich weniger Passagiere, doch es wurden 2000 Fuss Shihuahuaco, ein extrem hartes und schweres Tropenholz, geladen. Um mit der schweren Ladung nicht auf Sandbänke aufzulaufen und aus Angst vor Überfällen, verbrachten wir die Nacht in einem kleinen Hafen, weshalb die Rückfahrt, obwohl das Boot flussabwärts viel schneller fährt, auch 24 Stunden dauerte. Ich hatte noch ein recht interessantes Gespräch mit einem Argentinier, der im Regenwald an einer Ayahuasca Zeremonie teilgenommen hatte (Ayahuasca ist eine natürlich Droge, die aus einer bestimmten Liana bewonnen wird – man soll wohl Halluzinationen bekommen) und verbrachte dann eine mehr oder weniger erholsame Flussfahrt. So kam ich am Samstag Nachmittag nach nur 6 Tagen wieder zu Hause in Pucallpa an.

1 Kommentar:

  1. Handelt es sich bei dem GPS Gerät um das kürzlich eingeflogene aus Hamburg? Ist wahrscheinlich doch nicht richtig für den tropischen Regenwald geeignet.

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