Als Abschlussveranstaltung der 8. nationalen Unisportspiele, die dieses Jahr an der "Universidad Nacional de Ucayali" (UNU) stattfanden, hat unsere Gastmutter Techy letzten Samstag eine Bootstour auf der Yarinacocha organisiert. Als sie uns vier fragte, ob wir nicht daran teilnehmen wollten, konnten wir nicht ablehnen. Ihr bedeutete dieses Sportfest wirklich sehr viel und sie hatte die Tage zuvor wirklich Tag und Nacht damit verbracht Unterkünfte für die Sportler zu organisieren, mit ihrem ständig klingelnden Handy alles mögliche zu koordinieren und selber noch an Sportveranstaltungen teilzunehmen. So standen wir also am Samstag Morgen, statt wie eigentlich geplant endlich einmal lange zu schlafen, um 8 Uhr 30 am Hafen von Yarina. Uns erwarteten 5 Langboote, die bereits vollbesetzt waren. Die Bootstour führte über die Yarinacocha (Yarinacocha bedeutet übersetzte "Palmensee", von yarina=eine Palmenart, die hier zum Dachdecken benutzt wird, und cocha=See) zu der Comunidad San Francisco. Die Yarinacocha ist sehr schön in tropischer Vegetation, wenn auch nicht mehr primärer Wald, gelegen. Wir konnten mehrere Süßwasserdelfine, die hier noch recht häufig anzutreffen sind, beobachten. So schipperten wir etwa eine Stunde über den See, bis wir in San Francisco ankamen. San Francisco ist eine ganz andere Art von Comunidad als Callería. Sie ist zuerst einmal viel größer und durch eine Straße mit Pucallpa verbunden. Dementsprechend gibt es hier eine Infrastruktur, Laternen, elektrischen Strom, einige Mototaxis und einen regen Durchgangsverkehr. Hier scheint sehr viel auf die Touristen ausgelegt zu sein, die aus allen Teilen Perus und immer mehr auch aus der restlichen Welt kommen. Man bekommt von den Frauen San Franciscos ihre Artesanía zum Verkauf angeboten und an jeder Ecke kann man eine eisgekühlte Coca Cola kaufen.





Mir hat es in San Francisco nicht sehr gut gefallen. Für mich war es ein weiteres Beispiel dafür, dass eine Kultur auf Grunde der moderne Zivilisierung aufgegeben wurde und nur noch für den Tourismus aufrecht erhalten wird. Man kann es den Menschen zwar nicht verdenken, dass sie auch gerne die Annehmlichkeiten von Strom und die Produkte der westlichen Welt genießen wollen, doch die Art und Weise und Geschwindigkeit in der diese Veränderung geschieht, sehe ich sehr kritisch.
Letztend Endes haben wir vier in San Francisco keine Artesanía gekauft. Es war zwar schön, diese Comunidad einmal zu besuchen, doch ich persönlich habe mich in Callería wohler gefühlt. Auf dem Rückweg besuchten wir noch eine sehr kleine Comunidad, die nur 3 Minuten Bootsfahrt vom Hafen von Yarina entfernt liegt. Hier habe ich mich wirklich gefragt, ob nicht die komplette Comunidad nur noch für den Tourismus aufrecht erhalten wird. Es schien mir einfach zu unrealistisch, dass 3 Minuten von einer 300.000 Einwohner zählenden Stadt noch eine "funtionierende" Comunidad existieren soll. Mit Sonnenbrand, was einfach unvermeidbar war, denn die Sonner schien auch von der Wasseroberfläche aus ihr UV Strahlen auf unsere weiße Haut zu schießen, kamen wir Mittags nach Hause und legten uns erst einmal aufs Ohr. Der Ausflug war insgesamt ganz nett, aber auch nicht besonders.



Am Samstag Abend gingen wir dann wie schon die Woche zuvor feiern. Die pucallpinischen Discotheken unterscheiden sich im Prinzip nicht von den Deutschen. Nora und Amelie hatten sich zum Ziel gesetzt, diesen Abend nichts zu bezahlen, was sie letztendlich sogar auch geschafft haben. Männer müssen in den Discos in Pucallpa Eintritt bezahlen, weshalb Laszlo und ich dieses Ziel schon von Anfang an nicht erreichen konnten. Wir wurden aber oft auf Getränke eingeladen und kamen somit auch ganz gut davon.
Nach einem entspannten Sonntag war das Wochenende dann leider schon wieder vorbei. Die Arbeitswoche ist bis jetzt von dem neuen Projekt geprägt, zu dem ich nun ein paar Worte verlieren werde.
Es handelt sich um ein Umweltsensibilisierung- und Abfallmanagementprojekt in den 7 FSC zertifiezierten Comunidades, mit denen AIDER zusammen arbeit. Wir, das sind Melanie, Julie und ich, arbeiten momentan ein Konzept für dieses Projekt aus. Im ersten Entwurf sieht das Projekt wie folgt aus: Wir wollen Mülleimer in allen Comunidades aufstellen. Es werden jeweils zwei Mülleimer zusammen stehen- organisch und anorganisch. Der anorganische Müll wird in einem Mülllagerzentrum sortiert und für den Transport nach Pucallpa vorbereitet, wo er dann verkauft werden kann. Der organische Müll soll voraussichtlich in den Comunidades kompostiert werden. Parallel läuft eine Blidungsschiene, bei denen die Comuneros sensibilisiert werden sollen. Das Ziel ist, dass es in allen 7 Comunidades ein funktionierendes Abfallentsorgungssystem gibt. Das verdienete Geld, leider sehr bescheiden, kommt den Comunidades zugute.
Ich habe sehr viel Lust dieses Projekt durchzuführen, auch wenn wir schon sehr viele Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen hatten. Es wird sicherlich nicht immer leicht, doch ich glaube, dass es mit einer guten Planung und Durchführung in einem Jahr zu schaffen ist. Nachdem wir die Konzeption auf Papier gebracht haben werden, wird die nächste Hürde sein, eine Finanzierung für das Projekt zu finden. Es wird sicherlich in der nächsten Zeit sehr spannend hier für mich werden.
Allgemein hat sich hier in Pucallpa nicht großartig viel verändert. Wir haben seit Samstag eine Hitze, die wirklich nicht mehr angenehm ist. Das Thermomete hat gestern die 37 Grad Marke geknackt und heute fühlt es sich noch heißer an. Nun kann ich heute auch nicht den kleinen Swimmingpool bei unserer Arbeit benutzen, in dem ich mich sonst immer mal wieder in der Mittagspause abküle, weil er heute mit irgendwelchen chemischen Mitteln gereinigt wird. Mein Zimmer ist leider immer noch eine Baustelle. Seit zwei nächten habe ich kein Bett mehr, sondern muss mit meiner durchgelegenen Matratze auf dem Fußboden schlafen. Als mein Kleiderschrank vorgestern Abend dann auch von innen verstaubt war und ich eine Nacht-Wasch-Session einlegen musste, war ich schon ziemlich genervt. Doch ich bin zuversichtlich, dass ich Samstag Nacht in meinem neuen sauberen Zimmer in meinem Bett schlafen kann. Vielleicht nimmt dann auch mein Regal schon Form an, für das ich heute endlich Holz gekauft habe. Es sind 9 Platten Quinilla, die mir schon auf das richtige (richtig natürlich nach peruanischem Maßstab) Maß geschnitten und abgeschliffen wurden. Das Holz ist wunderschön, rötlich braun, aber auch extrem schwer. Schätzungsweise wiegen alle Platten zusammen 150 Kilo. Ich hoffe, dass ich mit diesem Gewicht mein Regal zusammengezimmert bekomme. Auf jeden Fall habe ich sehr viel Lust, einfach mal zu versuchen und mich einfach mal an die Arbeit zu machen.
Nun stehen Sonntag auch die Regional- und Kommunalwahlen auf dem Programm. Von Freitag bis Montag wird kein Alkohol verkauft werden. So versucht die peruanische Regierung die Situation, die bei Wahlen in Südamerika leicht außer Kontrolle geraten kann, im Griff zu haben. Ich bin sehr gespannt, was mich am Sonntag hier in Puallpa erwarten wird. Ich stelle mir vor, dass unheimlich viele Menschen auf den Straßen sein werden, und Pucallpa noch quirliger wird.
Neben allem, was ich hier in Pucallpa erlebe, wird in mir der Wunsch nach einer Reise auch langsam immer größer. Ich werde schauen, ob aus dem Plan, nächste Woche in eine Comunidad zu fahren, tatsächlich etwas wird. Wenn nicht, dann kann es gut sein, dass ich mir nächste Woche ein paar Tage frei nehme. Die Raftingtour geht mir nicht mehr aus dem Kopf und ich möchte auch immer noch Tingo Maria und die nähere Ungebung von Pucallpa kennenlernen.
Ich schicke euch sonnige aber verschwitzte Grüße aus Pucallpa ins regnerische Deutschland.
Mir hat es in San Francisco nicht sehr gut gefallen. Für mich war es ein weiteres Beispiel dafür, dass eine Kultur auf Grunde der moderne Zivilisierung aufgegeben wurde und nur noch für den Tourismus aufrecht erhalten wird. Man kann es den Menschen zwar nicht verdenken, dass sie auch gerne die Annehmlichkeiten von Strom und die Produkte der westlichen Welt genießen wollen, doch die Art und Weise und Geschwindigkeit in der diese Veränderung geschieht, sehe ich sehr kritisch.
Letztend Endes haben wir vier in San Francisco keine Artesanía gekauft. Es war zwar schön, diese Comunidad einmal zu besuchen, doch ich persönlich habe mich in Callería wohler gefühlt. Auf dem Rückweg besuchten wir noch eine sehr kleine Comunidad, die nur 3 Minuten Bootsfahrt vom Hafen von Yarina entfernt liegt. Hier habe ich mich wirklich gefragt, ob nicht die komplette Comunidad nur noch für den Tourismus aufrecht erhalten wird. Es schien mir einfach zu unrealistisch, dass 3 Minuten von einer 300.000 Einwohner zählenden Stadt noch eine "funtionierende" Comunidad existieren soll. Mit Sonnenbrand, was einfach unvermeidbar war, denn die Sonner schien auch von der Wasseroberfläche aus ihr UV Strahlen auf unsere weiße Haut zu schießen, kamen wir Mittags nach Hause und legten uns erst einmal aufs Ohr. Der Ausflug war insgesamt ganz nett, aber auch nicht besonders.
Am Samstag Abend gingen wir dann wie schon die Woche zuvor feiern. Die pucallpinischen Discotheken unterscheiden sich im Prinzip nicht von den Deutschen. Nora und Amelie hatten sich zum Ziel gesetzt, diesen Abend nichts zu bezahlen, was sie letztendlich sogar auch geschafft haben. Männer müssen in den Discos in Pucallpa Eintritt bezahlen, weshalb Laszlo und ich dieses Ziel schon von Anfang an nicht erreichen konnten. Wir wurden aber oft auf Getränke eingeladen und kamen somit auch ganz gut davon.
Nach einem entspannten Sonntag war das Wochenende dann leider schon wieder vorbei. Die Arbeitswoche ist bis jetzt von dem neuen Projekt geprägt, zu dem ich nun ein paar Worte verlieren werde.
Es handelt sich um ein Umweltsensibilisierung- und Abfallmanagementprojekt in den 7 FSC zertifiezierten Comunidades, mit denen AIDER zusammen arbeit. Wir, das sind Melanie, Julie und ich, arbeiten momentan ein Konzept für dieses Projekt aus. Im ersten Entwurf sieht das Projekt wie folgt aus: Wir wollen Mülleimer in allen Comunidades aufstellen. Es werden jeweils zwei Mülleimer zusammen stehen- organisch und anorganisch. Der anorganische Müll wird in einem Mülllagerzentrum sortiert und für den Transport nach Pucallpa vorbereitet, wo er dann verkauft werden kann. Der organische Müll soll voraussichtlich in den Comunidades kompostiert werden. Parallel läuft eine Blidungsschiene, bei denen die Comuneros sensibilisiert werden sollen. Das Ziel ist, dass es in allen 7 Comunidades ein funktionierendes Abfallentsorgungssystem gibt. Das verdienete Geld, leider sehr bescheiden, kommt den Comunidades zugute.
Ich habe sehr viel Lust dieses Projekt durchzuführen, auch wenn wir schon sehr viele Meinungsverschiedenheiten und Diskussionen hatten. Es wird sicherlich nicht immer leicht, doch ich glaube, dass es mit einer guten Planung und Durchführung in einem Jahr zu schaffen ist. Nachdem wir die Konzeption auf Papier gebracht haben werden, wird die nächste Hürde sein, eine Finanzierung für das Projekt zu finden. Es wird sicherlich in der nächsten Zeit sehr spannend hier für mich werden.
Allgemein hat sich hier in Pucallpa nicht großartig viel verändert. Wir haben seit Samstag eine Hitze, die wirklich nicht mehr angenehm ist. Das Thermomete hat gestern die 37 Grad Marke geknackt und heute fühlt es sich noch heißer an. Nun kann ich heute auch nicht den kleinen Swimmingpool bei unserer Arbeit benutzen, in dem ich mich sonst immer mal wieder in der Mittagspause abküle, weil er heute mit irgendwelchen chemischen Mitteln gereinigt wird. Mein Zimmer ist leider immer noch eine Baustelle. Seit zwei nächten habe ich kein Bett mehr, sondern muss mit meiner durchgelegenen Matratze auf dem Fußboden schlafen. Als mein Kleiderschrank vorgestern Abend dann auch von innen verstaubt war und ich eine Nacht-Wasch-Session einlegen musste, war ich schon ziemlich genervt. Doch ich bin zuversichtlich, dass ich Samstag Nacht in meinem neuen sauberen Zimmer in meinem Bett schlafen kann. Vielleicht nimmt dann auch mein Regal schon Form an, für das ich heute endlich Holz gekauft habe. Es sind 9 Platten Quinilla, die mir schon auf das richtige (richtig natürlich nach peruanischem Maßstab) Maß geschnitten und abgeschliffen wurden. Das Holz ist wunderschön, rötlich braun, aber auch extrem schwer. Schätzungsweise wiegen alle Platten zusammen 150 Kilo. Ich hoffe, dass ich mit diesem Gewicht mein Regal zusammengezimmert bekomme. Auf jeden Fall habe ich sehr viel Lust, einfach mal zu versuchen und mich einfach mal an die Arbeit zu machen.
Nun stehen Sonntag auch die Regional- und Kommunalwahlen auf dem Programm. Von Freitag bis Montag wird kein Alkohol verkauft werden. So versucht die peruanische Regierung die Situation, die bei Wahlen in Südamerika leicht außer Kontrolle geraten kann, im Griff zu haben. Ich bin sehr gespannt, was mich am Sonntag hier in Puallpa erwarten wird. Ich stelle mir vor, dass unheimlich viele Menschen auf den Straßen sein werden, und Pucallpa noch quirliger wird.
Neben allem, was ich hier in Pucallpa erlebe, wird in mir der Wunsch nach einer Reise auch langsam immer größer. Ich werde schauen, ob aus dem Plan, nächste Woche in eine Comunidad zu fahren, tatsächlich etwas wird. Wenn nicht, dann kann es gut sein, dass ich mir nächste Woche ein paar Tage frei nehme. Die Raftingtour geht mir nicht mehr aus dem Kopf und ich möchte auch immer noch Tingo Maria und die nähere Ungebung von Pucallpa kennenlernen.
Ich schicke euch sonnige aber verschwitzte Grüße aus Pucallpa ins regnerische Deutschland.
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