Ist das das Paradies oder doch nur Peru?

Hallo liebe Leser. Vielen Dank für euer Interesse an, und eure Kommentare zu meinem Blog! Ich grüße euch aus Pucallpa!

Freitag, 17. Dezember 2010

Von Kartoffelklößen und Fettaugen

Unterbeschäftigung und Langeweile prägten seit dem Rucksackklau meine Zeit als Weltwärtsfreiwilliger bei AIDER. Ich hatte und habe im Büro einfach nichts zu tun. Der Alltag sieht dann wie folgt aus: Ich komme um 8:30 ins Büro und bin so lange ich meine privaten Angelegenheiten (E-Mails, Fußballergebnisse usw.) noch einigermaßen gut gelaunt. Wenn ich dies jedoch erledigt habe, sinkt meine Stimmungskurve bis zur Mittagspause rapide ab. Ich gehe meist völlig genervt zum Mittagessen und fahre anschließend nach Hause, um mich bei einem Mittagsschlaf in meiner Hängematte ein wenig ab zu reagieren. Zurück im Büro gehe ich die Morgenprozedur ein zweites Mal durch und warte ab etwa 4 Uhr sehnsüchtig auf den Feierabend. Dass diese Situation einen nicht sonderlich befriedigt, kann sich jeder vorstellen. So bin ich in der letzten Zeit immer tiefer in ein Loch hinein gefallen. Ich konnte mich immer weniger aufraffen etwas zu tun und meine Motivationskurve ging in den negativen Bereich. Der geklaute Rucksack verstärkte dies natürlich noch.

Ich weiß selber, dass ich persönlich für den Erfolg oder Misserfolg meines Jahres bei AIDER verantwortlich bin. Den anfänglichen Irrtum, dass hier jemand mit vorbereiteten Aufgaben auf mich wartet, habe ich längst als solchen identifiziert und ich bin mir bewusst, dass welwärts nicht garantiert ein tolles Jahr sein muss. Doch es fiel mir besonders in letzter Zeit sehr schwer, mich aus meiner Lethargie zu erheben und mir eine Aufgabe zu suchen. Die bei dem Vorbereitungsseminar gepredigte „Proaktivität“ ist, befindet man sich in einer Situation wie ich momentan, wirklich eine schweres Unterfangen.

Letzten Montag also erreichte diese Situation ihren Höchst- beziehungsweise Tiefstpunkt. Zu den Problemen auf der Arbeit kam noch ein Streit mit unserer Vermieterin . Wir haben nun einen 2 seitigen Regelkatalog und werden, wenn wir diesen nicht beachten, rausgeschmissen. Dafür sind wir aber selber verantwortlich, denn wir haben uns teilweise nicht korrekt verhalten. Ich floh also um 10 Uhr aus dem Büro ins Fitness Studio und ließ meine Aggressionen ab. Nachmittags im Büro auf der Suche nach einer Aufgabe für das nächste Jahr wurden mir alle Vorurteile, die ich in der letzten Zeit gegen AIDER entwickelt habe, bestätigt, und so wurde ich richtig rasend. Manuel versuchte mich zu beschwichtigen, was aber zunächst nichts half. Er erzählte mir etwas von Kartoffelklößen und Fettaugen. Ich sei ein Kartoffelkloß, der am Boden des Topfes liegt und nicht nach oben kommt. Um meine Situation zu verbessern müsste ich ein Fettauge, dass oben auf der Suppe schwimmt, werden. Komische Geschichte dachte ich, aber irgendwie wahr. Ich bin wirklich in ein tiefes Loch hinein gefallen und muss nun versuchen, dort irgendwie wieder heraus zu kommen.

Ich ging nach Hause und dachte nach. Ich musste wirklich etwas ändern, weil so konnte es nicht weitergehen.

Am nächsten Tag ging ich mit etwas Motivation getankt ins Büro. Ich machte mir eine To-Do-Liste und erledigte viele Sachen, wenn auch größtenteils private, die ich in den letzten Tagen und Wochen vor mir her geschoben hatte. Außerdem versuchte ich, mir eine Planung für das erste Quartal 2010 zu erstellen. Ich redete mit einem Mitarbeiter, Alejandro, der ein neues Projekt, das sich der Produktion von Naturlatex widmet, ins Leben gerufen hat. Ich kann, so sagte er, ab Januar bei ihm mitarbeiten, mit ihm in den Wald gehen und in Comunidades fahren. Das hörte sich alles recht interessant an und meine Motivation begann langsam wieder in positive Bereiche zu kommen. Abends dann aber wieder ein Rückschlag. Ich wollte mit einer Kollegin meine Planung absprechen und sie meinte, dass sie es lieber würde, wenn ich einem anderen Projekt, Nachhaltige Waldwirtschaft in drei (neuen) Comunidades, mitarbeiten würde. Ich fragte mich, warum sie mir das nicht früher gesagt hatte. Seit Wochen vegetiere ich im Büro vor mir hin, keine hat eine Aufgabe für mich, und nun nehme ich das Ruder in die Hand, organisiere mich selber, und dann kommt jemand an und sagt mir, er hätte sich für mich etwas anderes überlegt. Wieder einmal war ich von AIDER genervt. Zum Glück hatte ich für den Abend ein Skype-Date mit Merle vereinbart. Sie ist weltwärts in Ecuador und es war sehr schön mal wieder, nach über 4 Monaten, mit ihr zu reden und unsere Erlebnisse und Erfahrungen auszutauschen.


Nun ist bereits der letzte Tag vor den Weihnachtsferien. Ich habe vorgestern mit meinem Chef, Pio, geredet und er hat mir gesagt, dass ich für mich selber entscheiden kann, in welchem der beiden Projekte ich mitarbeiten möchte. Das hat mich wieder einen Schritt nach vorne gebracht. Ich werde mit einer Entscheidung aus den Ferien zurück kommen, um dann ab Januar eine hoffentlich interessantere und erfüllendere Arbeit zu haben. Ich weiß aber auch, dass mein Glück bei mir liegt. Ich muss den Leuten hinterherlaufen, denn die letzten Monate haben gezeigt, dass es hier bei AIDER nicht anders herum ist. So hoffe ich, dass ich von dem Kartoffelkloß zum Fettauge werde, dass ich aus meinem Loch und meiner Unmotiviertheit ausbrechen kann, um mein Weltwärtsjahr noch zu einem Erfolg zu machen.


Doch nun werde ich für ein paar Tage erst einmal nicht an die Arbeit denken. Gleich gibt es hier im Büro gemeinsames Weihnachtsessen mit anschließendem Geschenkeaustauschen. Bei dem kollektiven Biertrinken werde ich wohl aber nicht mehr dabei sein, denn ich habe mir dummerweise eine Mittelohrentzündung eingefangen. Ich will aber nicht klagen, denn das einzige, was mir im Moment helfen kann, ist positiv in die Zukunft zu blicken. Und diese sieht für die nächsten zwei Wochen rosig aus. Es geht mit dem Bus nach Tarapoto. Danach über Moyobamba nach Chachapoyas zu den Ruinen von Kueláp und der Catarata Gocta, dem dritthöchsten Wasserfall der Erde, und wieder zurück nach Moyobamba, um mit anderen Freiwilligen, unter anderem meinen Mitbewohnern aus Pucallpa und Bettina aus Villarica, Weihnachten zu feiern. Danach fahren wir nach Máncora, dem meist frequentierten Badeort Perus, um Sylvester im T-Shirt und bei 30 Grad am Meer zu feiern. Wenn ich Glück habe, dann gibt mein Chef uns bis zum 10.01. frei. In diesem Fall würde ich noch bis Quito fahren, um Merle zu besuchen.


Dies wird wahrscheinlich mein letzter Eintrag im Jahr 2010 sein. Ich habe bis jetzt tolle Erlebnisse in Peru gehabt, habe vieles kennenlernen und sehen dürfen und wurde, dank AIDER, in neue Kulturen eingeführt. Es gab auch Rückschläge, der geklaute Rucksack, und die letzte Zeit war, wie beschrieben, nicht immer einfach. Doch ich ziehe ganz bewusst eine positive Bilanz von dem ersten Drittel meines Weltwärtsjahres. Schlechte Erfahrungen gehören einfach mit dazu und meine Arbeitssituation zeigt mir, wie ich mich in Zukunft, auch in Deutschland, anders verhalten kann. Ich blicke frohen Mutes in das neue Jahr 2011.

Montag, 6. Dezember 2010

Die Geschichte eines gestohlenes Rucksacks

Nun ist es auch mir passiert. Ich wurde beklaut. Das ganze ist auf dem Flusscolectivo (Boot) nach Curiaca, die Comunidad, in der ich eigentlich die nächsten 2 Wochen verbringen wollte, passiert. Ich weiß, dass der Dieb meine eigene Dummheit bestraft hat. Der Rucksack hätte nicht geklaut werden müssen, wenn ich die Ratschläge, die mir von Kollegen gegeben wurden und dir mir sonst in meinem Leben schon oft über den Weg gelaufen sind, beachtet hätte. Man darf nicht in einem Land wie Peru in nur einer Tasche seine gesamten Wertsachen verstauen und man darf diese dann noch weniger unbeaufsichtigt lassen. Wenn dies dann auch noch nachts passiert, dann ist ein Diebstahl die logische Konsequenz. Wie ich trotzdem beide Fehler begehen konnte, weiß ich selber nicht genau, doch ich weiß, dass ich sie begangen habe und ich weiß auch, dass ich meine Kamera, mein GPS Gerät, meinen Geldbeutel mit 200 Soles (ca. 60 Euro) und meinem peruanischen Identifikationsdokument, mein Handy, meinen MP3 Player, meine Sonnenbrille, mein Taschenmesser, 3 Bücher, meinen Regenponcho und noch ein wenig Kleinkram nie wiedersehen werde. Da ich es vor meiner Ausreise nicht für nötig gehalten habe, eine Reisegepäckversicherung abzuschließen, werde ich auch auf diesem Weg keine Wiedergutmachung erhalten.

Wie das alles von Statten gegangen ist, werde ich nun ausführlich berichten. Am Mittwoch Nachmittag fuhr ich mit meinem Gepäck, der eben erwähnte Rucksack, ein größerer Rucksack mit Klamotten, Zelt und Schlafmatte, einem Sack mit Essen für 2 Wochen und einem 20 Liter Wasserkanister zum Hafen und bestieg das Boot "Willian Alfredo" (Das n ist kein Schreibfehler. In Peru werden Namen oft nach Gehör aufgeschrieben. So heißt hier Michael auch mal Maycol, Brian Brayan usw). Etwa um halb 4 lag ich in meiner Hängematte und wartete auf meinen Kollegen Hillario, der auch wenige Minuten später eintraf. Ich stellte meinen Rucksack auf eine Bank unter dem Fussende meiner Hängematte. Da ich noch einige Sms verschicken und mir etwas zu Essen kaufen wollte, holte ich mein Handy und meinen Geldbeutel aus dem Rucksack raus. Kurze Zeit später verstaute ich beides wieder im Rucksack und habe dabei gesehen, wie ein schlanker, großer, etwa 22 jähriger Peruaner mit einem blauen T-Shirt und lockigem Haar mich beobachtet hat. Eigentlich hätten hier schon die Alarmglocken läuten müssen, doch ich ließ den Rucksack an eben beschriebenem Platz stehen. Mein Kollege setzte sich im Folgenden neben meinen Rucksack. Das Boot fuhr los und langsam begann es dunkel zu werden. Der Peruaner mit dem blauen T-Shirt lag mit dem Kopf neben meinem Rucksack. Ich döste in meiner Hängematte und schaute immer mal wieder zu meinem Rucksack rüber, ob er noch da lag. Die Nacht brach herein und ich schlief ein, wachte aber oft wieder auf und habe meinen Rucksack immer an seinem Platz gesehen. Um etwa 1 Uhr bekam ich im Halbschlaf mit, wie mein Kollege angewiesen wurde, die Seite zu wechseln, da das Boot ein wenig Schlagseite hatte. Er nahm sein Gepäck mit und setzte sich an mein Kopfende. Meinen Rucksack ließ er an meinem Fussende stehen, sodass er nun alleine stand. Ich reagierte nicht auf die Situation. Wenig später ging ich noch einmal auf Toilette und habe meinen Rucksack an seinem Platz gesehen. Dies sollte die letzte Chance gewesen sein, ihn "zu retten" denn als ich etwa um halb 5 Uhr aufwachte waren mein Rucksack und der Peruaner mit dem blauen T-Shirt weg. Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt an der Anlegestelle von "Iparia". Nach Gesprächen mit verschieden Passagieren und der Bootsbesatzung konnten wir relativ sicher festlegen, dass der Typ mit meinem Rucksack entweder in Galilea oder Ahuaypa, etwa 2 Stunden flussabwärts ausgestiegen war.

Wie sollte ich nun reagieren? Ich hatte kein bisschen Geld und mein Kollege wusste auch nicht richtig mit der Situation umzugehen. Ich hätte wahrscheinlich in der Dunkelheit in dem mir unbekannten "Iparia" aussteigen sollen und mit dem nächsten Boot flussabwärts fahren sollen, doch ich entschied mich dafür, bis nach Curiaca zu fahren, um dort weitere Schritte einzuleiten. Um 1 Uhr Mittag am Donnerstag kamen wir endlich an. Ich rief im AIDER Büro an und wurde angewiesen, mit dem gleichen Boot wieder zurück zu fahren und in Galilea und Ahuaypa nach meinem Rucksack zu suchen.

Mir war bereits zu diesem Zeitpunkt und auch schon in den Stunden zuvor klar, dass diese Unternehmung wenig Sinn hatte. Ich hatte meinen Rucksack leichtsinnig "weggegeben" und dass ich ihn nie wieder sehen würde, war die einzig gerechte Strafe. Die Nachforschungen in den beiden Comunidades brachten wie zu erwarten nichts. Mein Kollege Hollario musste mich begleiten und hat so seine Bootsreise um weitere 24 Stunden verlängern müssen. Der Arme.

Ich kam am Freitag Nachmittag nach 48 Stunden auf dem Fluss wieder in Pucallpa an. Mein Rucksack mit fast allem wertvollen, was ich hier in Peru besitze, ist weg und ich werde ihn nie wieder sehen.

Ich bin vor allem wegen der Kamera sehr traurig. Auch wenn es blöd klingt, aber sie ist in den letzten Jahren auf meinen Reisen ein Teil von mir geworden. Das Fotografieren war für mich immer ein Mitgrund für Reisen. Ich stehe nun vor der Frage, ob ich mir noch hier in Peru eine neue Kamera zulegen soll. Momentan kann ich das noch nicht entscheiden. Dafür spricht, dass ich mein angefangenes Werk, eine ausführliche fotografische Dokumentation meines weltwärts Jahres, vortsetzen könnte. Dagegen spricht, dass ich unter Umständen damit rechnen müsste, dass mir auch eine zweite Kamera geklaut würde. Möglicherweise kann es sogar für mich eine Chance sein, dieses Land mit einem neuen Blick zu betrachten. Immerhin habe ich in den letzten Jahren viele Situationen, Landschaften und Bilder nur durch die Linse meiner Canon gesehen und somit vielleicht die Realität verpasst.

Alles andere lässt sich glücklicherweise relativ problemlos, wenn auch finanziell aufwendig, richten. Ein neues Handy werde ich mir noch diese Woche kaufen und ich habe bereits die obligatorische Anzeige hinter mir, damit ich von der Deutschen Botschaft eine neue "Tarjeta Verde" ausgestellt bekomme.

Ich hoffe, dass ich duch dieses Ereignis in Zukunft besser auf meine (Wert)Sachen aufpassen werde. Da mir bis jetzt noch nie wirklich etwas geklaut wurde, war es vielleicht ganz gut, dass ich nun auf relativ harmlose Art und Weise wachgerüttelt wurde. Peru ist ein wunderschönes Land, ich habe hier unvergessliche Erlebnisse gehabt und werde sie sicherlich in Zukunft auch noch haben, doch man darf nicht vergessen, dass es auch eine Kehrseite gibt. Diese besteht aus hoher Kriminalität, Korruption und Armut. Dies habe ich in letzter Zeit anscheinend das ein oder andere Mal zu oft ausgeblendet und bin unvorsichtig durch das Leben hier gegangen. Ich hoffe, dass ich Donnerstag Morgen für meine Zukunft gelernt habe.

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Abwesenheitsnachricht

Heute geht es endlich wieder in eine Comunidad. Nachdem bei AIDER mit der Planung mal wieder alles drunter und drüber ging, ich zweimal auf morgen vertröstet wurde und ehrlich gesagt ziemlich genervt war, geht es heute endlich nach Curiaca. Dort werde ich entweder, was jetzt noch nicht genau fest steht, an einer Baumzählung im Forstgebiet teilnehmen, oder mir alternativ irgendeine Aufgabe dort suchen. Dementsprechend kann ich noch nicht genau sagen, wann ich genau wieder in Pucallpa sein werde. Spätestens aber wenn am 17.12. mit einer kleinen Weihnachtsfeier das Jahr 2010 beschlossen wird werde ich wieder hier sein. Ich feile bereits jetzt schon an der nächsten Reiseplanung. Bis dahin sende ich euch feuchtwarme Grüße ins verschneite Deutschland!

Dienstag, 23. November 2010

Alltag in Pucallpa

Ja, so schlimm es auch klingt, es gibt ihn auch hier in Pucallpa, einen Alltag. Ich bin nach meiner wirklich super spannenden Reise sofort wieder in ihn reingefallen. Der Alltag in Pucallpa ist bisweilen sehr frustrieren und langweilig, nämlich immer dann, wenn ich im Büro von AIDER sitze. Ja. Dem zu entnehmen ist, dass ich hier immer noch keine Aufgabe habe und mitlerweile auch nicht mehr daran glaube, dass ich hier meine Rolle im Büro finden werde. Es sind zwar alle sehr nett zu mir, doch Arbeit hat anscheinend keiner für mich.

Ein Lichblick dagegen sind meine Aktivitäten außerhalb des Büros. Ich war in den letzten zwei Wochen einige Male bei einem Imkerei Projekt von AIDER, etwa 34 Kilometer außerhalb von Pucallpa. Dort konnte ich bei den täglichen Arbeiten mitmachen und war einmal sogar im Wald bei einigen Bienenstöcken, um dieses für einen Transport vorzubereiten. Es hat mir dort bisher immer gut gefallen und ich denke, dass ich auch in Zukunft öfter dort vorbei schauen werde.

Ein anderer Lichtblick könnte der Probelauf mit Datenerfassungen des hier schon oft beschriebenen Holzkohleofens im Centro de Acopio sein. Wenn wirklich alles nach Plan läuft, dann soll es am Donnerstag losgehen. Ich bin sehr gespannt, ob daraus etwas wird.

Insgesamt hat mich meine momentane Situation in letzter Zeit sehr viel über den (Un)sinn des welwärts Programmes nachdenken lassen. Ich sehe momentan sehr viele Kritikpunkte, vor allem auch deshalb, weil ich von etlichen Freiwilligen von ähnlichen Problemen berichtet bekommen habe, doch ich werde mir langsam auch darüber bewusst, dass ich trotz guter Vorbereitung mit einer falschen Vorstellung und falschen Erwartungen an mein weltwärts Jahr heran gegangen bin. Ich verstehe die Bereitschaft von AIDER weltwärts Freiwillige aufzunehmen zunehmend als einen Gefallen für den DED und vor allem für mich, den Freiwilligen. Es wäre falsch zu glauben, dass ich AIDER einen Gefallen tue. So lässt sich auch erklären, dass ich hier nicht mit Aufgaben über Aufgaben empfangen wurde, sondern dass es in erster Linie an mir liegt, mir meine Aufgaben zu suchen. Diese hatte ich zunächst mit dem Müllprojekt gefunden, was ich dann aber aus verschiedenen Gründen abgebrochen habe. Ich denke nun, dass ich mir selber eine neue Aufgabe suchen muss, um mein weltwärts Jahr letztendlich für mich und für AIDER zu einem Erfolg zu machen. Diese Aufgabe oder Aufgaben habe ich bis jetzt nur leider noch nicht gefunden und ich hoffe sehr stark, dass mir dies bald gelingt.

Abgesehen von dem eben Beschriebenen geht es mir hier weiterhin aber gut. Meine WG ist einfach Spitze und langsam aber sicher finde ich auch peruanische Kontakte.

Montag, 15. November 2010

Meine erste Reise

Um der in der letzten Zeit doch aufs Gemüt schlagenden Büro-Nicht-Arbeit zu entfliehen, hatte ich mich entschieden, eine Reise zu unternehmen. Im Einverständnis mit meinem Chef Pio und meiner Koordinatorin Mechthild bekam ich für eine Woche frei und hatte somit, die beiden Wochenenden mitgezählt, 9 Tage Zeit für meine Reise. Ich entschied mich, diese Reise alleine anzugehen. Zwar war mir bewusst, dass man sich zu dem einen oder anderen Moment einsam fühlen würde, und dass man schöne Erlebnisse nur für sich behalten, und mit keinem anderen Teilen könnte, doch ich wollte dieses Experiment für mich persönlich einmal ausprobieren. Ich versprach mir völlige Freiheit, keine Absprachen mit niemandem und einfach mal 9 Tage nur das machen, worauf ich selber Lust habe. Meine geplante Route führte mich von Pucallpa aus bis auf 4300 Meter hoch in die Anden und über eine Nebenstrecke den Andenostabhang hinunter zurück bis nach Pucallpa.


1. Tag (Samstag, 06.11.2010)

Mit dem Bus ging es zunächst nach Huánuco. Die Fahrt bot keine Besonderheiten. Einzig erwähnenswert war ein Gespräch mit einem Peruaner, der für die Regierung Cocaplantagen in den Region von Tingo Maria zerstört. Er erzählte mir von den Gefahren seiner Arbeit und gab mir einige Verhaltenshinweise für diese doch recht konfliktgeladene – immerhin ist Tingo Maria die letzte Hochburg der Terrororganisation Sendero Luminoso – Region.

Angekommen in Huánuco rief ich Leonie an. Ich hatte sie und eine andere weltwärts Freiwillige, Jana, in Pucallpa beim „Oktoberfest“ kennengelernt. Bei ihr konnte ich mein Gepäck unterstellen und sie zeigte mir das Zentrum von Huánuco. Gegen Nachmittag ging es dann mit einer Gruppe peruanischer Studenten, unter anderem auch der Gastschwester von Leonie, für eine Nacht zum Campen in ein kleines Andendorf. Wir kamen in einem Bauernhaus, etwas abgelegen von dem Dorf, das den Namen „Salapampa“ trägt, unter. Eigentlich war das Ziel dieses Ausfluges, bei den Kindern des Dorfes eine „Zahnreinigung“ durchzuführen. Das wurde dann aus irgendwelchen mir nicht bekannten Gründen doch nichts. So belief sich die eigentliche Arbeit in dem Dorf nur auf das Verteilen von Wahlplakaten und dem Hinweis, dass irgendwann in der nächsten Zeit kostenlos Medikamente verteilt werden sollten. Die restliche Zeit hielten wir uns bei dem Bauern und seiner Frau auf. Wir wurden mit sehr bescheidenen Mitteln lecker bekocht und zündeten, nachdem wir die Zelte aufgebaut hatten, ein Lagerfeuer an. Nach nettem Zusammensein um das Feuer entschied ich mich als erster, ins Bett zu gehen. Ich war von der Reise so müde, dass mich nicht mal mehr der um Mitternacht wartende Geburtstag von Johannes, einem weiteren deutschen Freiwilligen, wachhalten konnte. Als ich mich also gerade in meinem Schlafsack eingelegen hatte und kurz davor war einzuschlafen, fing es an zu regnen. Nach kürzester Zeit wurde aus dem Zelt eine Tropfsteinhöhle und ich stand auf, um den anderen mitzuteilen, dass die Zelte alle durchweichen. Glücklicherweise schlug der Sohn des Bauer vor, dass wir auch im Haus schlafen könnten. Ich nahm dieses Angebot gerne an. So konnte ich doch einigermaßen gut schlafen. Geweckt wurde ich, als der Großteil der Gruppe gegen 2 Uhr, deutlich angetrunken, ebenfalls die Trockenheit dieses Raumes aufsuchte.


2. Tag (Sonntag, 07.11.2010)

Nach einer ab diesem Zeitpunkt an nicht mehr ganz so entspannten Nacht, wachte ich gegen 7 Uhr auf. Es schien, dass die anderen am Vorabend eine wahre Sauforgie zelebriert hatten. Drei Schnapsleichen waren über den Garten verteilt.

Nach einem Frühstück, das uns wieder die Bauersfrau zubereitet hatte, verließen wir das Bauernhaus. Ich hatte ihr und ihrem Mann gegenüber ein schlechtes Gewissen. Wir hinterließen das Bild von Stadtjugendlichen, die sich umsonst und recht aufdringlich bei armen Leuten einquartierten, zum Spottpreis von 2 Soles pro Person Abends und Morgens bekocht werden wollten und die Nacht zu einer lauten Sauforgie verwandelt hatten. Dies war wirklich nicht das Ziel meiner Reise. Ich wollte mit der Landbevölkerung in Kontakt kommen und nicht eventuell deren Vorurteile gegenüber der (reichen) Stadtjugend noch verstärken.




Mit dem Bus ging es die 45 Minuten zurück nach Huánuco. Ich ging mit Leonie noch ein bisschen durch die Stadt, unter anderem zu einem Aussichtspunkt auf einem Berg, was sich auf meiner Reise noch zu einem regelmäßigen Ritual entwickeln sollte, und aß mein obligatorisches 3 Sol 50 Menü.




Gegen 3 Uhr Nachmittags ging es mit dem Bus nach Cerro de Pasco. Von Huánuco, das immerhin bereits auf knapp 1900 Meter Höhe liegt, ging immer weiter bergauf bis auf 4300 Meter. Ich kam in der Abenddämmerung in Cerro de Pasco, einer der höchsten Städte der Welt, an. Die Temperatur befand sich nahe am Gefrierpunkt und die Stadt wirkte wie ausgestorben, das es fast keine, zumindest keine angeschalteten Straßenlaternen gab. Ich suchte mir schnell ein Hostel und fand nach kurzer Zeit auch ein günstiges Zimmer mit Kabelfernsehen. Der Fernseher stellte sich an diesem und den folgenden Abenden als eine gute Investition heraus. Immerhin können vor allem in solch rauen Regionen die kalten Abende recht einsam werden. Im Laufe des Abends musste ich noch feststellen, dass leider ein Großteil meine Klamotten in meinem Rucksack nass geworden ist – Shit Happens – und es war eine Mühsame Arbeit, diese wieder trocken zu bekommen. Außerdem musste ich feststellen, dass an der Stelle einer Dusche um Gemeinschaftsbad des Hostels nur ein mit eiskaltem Wasser gefülltes Fass stand. Das duschen viel dann recht sporadisch und schnell aus. Immerhin ging ich mit einem sauberen Gefühl und ohne Probleme mit der Höhe, was mich ehrlich gesagt ziemlich überrascht hat, hatte ich doch mit Christian vor einem Jahr auf 4500 Meter Höhe eine wahre Horrornacht verbringen müssen, gegen 8 Uhr ins Bett und verbrachte eine zwar kalte, jedoch sehr erholsame Nacht.


3. Tag (Montag, 08.11.2010)

Bereits früh zog es mich raus. Ich wollte Cerro de Pasco kennenlernen. Eingepackt in Pullover, lange Jeans und meinen Trekkingjacke kaufte ich mir zunächst eine Mütze. Bereits von dem bunten Markt aus sah ich einen kleinen Gipfel, den ich kurz entschlossen entschied zu besteigen. Es ging zunächst durch eines der typischen Wohnviertel, die sich in fast allen südamerikanischen Städten an den Berghängen entlangziehen, und dann querfeldein immer weiter Bergauf. Auf dem Gipfel angekommen zeigte mein GPS eine Höhe von 4456 Meter an. Dies war meine erste Vorbereitung für die geplante 6000er Besteigung mit Konsti, der in Lima sein weltwärts Jahr verbringt. Der Blick auf die Stadt war beeindruckend. In der Ferne zeichneten sich schnee- und eisbedeckte Andengipfel vom strahlenden Blau des Himmels ab und mitten in der Stadt konnte ich von oben den Grund meiner Reise in diese Stadt, die sonst kaum einen Touristen anlockt, zum ersten mal erkennen. Ein riesiges Loch klafft mitten in der Stadt. Die Firma „Volcan“ baut hier hauptsächlich Blei und Zink ab.





Ich stieg wieder in das Zentrum der Stadt ab und fuhr mit einem Bus zum Eingang der Mine. Am gut bewachten Eingang bat ich um Eintritt und einer Führung durch die Mine. Ich ging ehrlich gesagt nicht davon aus, dass dies überhaupt möglich war, doch, sicherlich auch auf Grund meines Gringo-Bonus, nahm sich ein Mitarbeiter Zeit für mich. Allerdings kam er nur um mir zu erzählen, dass man vor der Besichtigung der Mine eine Bewerbung schreiben und einen zweitägigen Gesundheitscheck und Sicherheitsworkshop durchlaufen müsse. Mein Plan, die Mine von innen zu betrachten wurde somit leider nichts, doch auch von außen boten sich beeindruckende Bilder. Mir vielen beim Umlaufen des riesigen Loches immer wieder die Schilder „Propiedad Privada – privates Eigentum“ mit dem Logo von Volcan mitten in den Wohnvierteln auf. Ich fragte einen Peruaner, was das zu bedeuten hatte. Die einfache Erklärung dafür ist, dass Volcan die Wohnviertel aufkauft, da sich die Mine immer weiter vergrößert und somit immer mehr Häuser in ihr verschwinden. Die Menschen müssen sich ihrem Schicksal hingeben und siedeln sich an den Berghängen in den Randgebieten der Stadt an. Es gibt Pläne von der Peruanischen Regierung, die Stadt Cerro de Pasco umzusiedeln. Ob das jemals passieren wird, ist allerdings sehr fragwürdig. Es fehlt an Geld und die Tatsache, dass die Stadt Cerro de Pasco eigentlich nur wegen der Mine existiert unterstreichen die Absurdität dieses Planes.





Nach einem leckeren Mittagessen – Ceviche und gebratene Forelle – hielt ich erst einmal einen einstündigen Mittagsschlaf. Ich merkte nun doch ein wenig, dass ich mich auf 4300 Metern über dem Meeresspiegel befand.

Nachmittags fuhr ich mit einem Sammeltaxi zum „Bosque de Piedras – Wald aus Stein“. Ich war die einzige Person, die sich diese touristische Attraktion der Region anschaute. Das Kassenhäuschen war nicht besetzt und so ging ich mit Hilfe meines GPS Gerätes einfach drauf los. Die folgende Stunde bot schöne Ausblicke. Ich ging querfeldein an teilweise beeindruckenden Abgründen vorbei und hatte mit den Anstrengungen des bergauf Gehens in diesen Höhen zu kämpfen.

Zurück nach Cerro de Pasco bin ich getrampt. Ich unterhielt mich mit dem Fahrer und seiner Begleiterin und war froh, dass ich den Hagelschauer aus der trockenen und warmen Fahrerkabine des LKW´s betrachten konnte. Zurück in Cerro de Pasco begann es bereits zu dämmern. Ich ging noch ein bisschen durch die Stadt, ging ins Internetcafé und aß einen Hamburger. Als ich mich völlig erschöpft in mein Bett legte, fingen mit einem Mal meine Beine extrem an zu schmerzen. Ich hatte sie wohl in dieser Höhe an dem heutigen Tag zu sehr belastet. Ich verbrachte 3 schlaflose Stunden in meinem kalten Bett, durchblätterte meinen Reiseführer nach Symptomen der Höhenkrankheit und war auch nicht sonderlich beruhigt, als ich Thrombose las und entschied dann um Mitternacht, eine Schmerztablette einzuschmeißen. Zum Glück wirkte sie und ich konnte endlich schlafen.


4. Tag (Dienstag, 09.11.2010)

Die Nacht hatte mich ziemlich geschlaucht. Zu den Beinschmerzen kam noch eine kleine Magenverstimmung – vielleicht war Ceviche in Cerro de Pasco doch keine so gute Idee, obwohl es ausgesprochen lecker war – und ich brauchte an diesem morgen sehr lange, um aus den Federn zu kommen. Ich packte in Schneckentempo meinen Rucksack und ging schließlich am frühen Mittag zum Busterminal. Die nächsten 3 Stunden nach La Oroya konnte ich mich im geräumigen Bus ein wenig entspannen.

La Oroya versprach laut Internetartikeln ein ganz besonderes Erlebnis zu werden. Immerhin wird sie als eine der schmutzigsten Städte der Welt beschrieben und der Monte Meiggs, der 5000er, den ich von dort aus besteigen wollte, stellte, im wahrsten Sinne des Wortes den Höhepunkt meiner Reise dar.

Was mir nicht bewusst war, ist, dass das für die Verschmutzung dieser Stadt verantwortliche Metallschmelzwerk der US Amerikanischen Firma Doe Run seit eineinhalb Jahren geschlossen ist. Es werden momentan keine giftigen Gase mehr durch den beeindruckenden Schornstein in die Atmosphäre gepustet und das Flusswasser wird nicht mehr mit Giftstoffen verseucht. Ich erlebte La Oroya ganz im Gegenteil recht geordnet und aufgeräumt. Was die Vergangenheit jedoch hinterlässt sind 98% Prozent der Kinder mit Bleiwerten im Blut, die die Grenzwerte um ein weites übersteigen. Außerdem hinterlässt Doe Run eine tote Stadt. In La Oroya konzentrierte sich fast alles, ähnlich wie in Cerro de Pasco, auf dieses eine Unternehmen. Heute hat die Stadt eigentlich nur noch als innerperuanischer Verkehrsknotenpunkt eine Bedeutung.

Ich machte heute nur einen kleinen Rundgang durch die Stadt. Ich ließ den Tag ruhig angehen, um erstens die Magenverstimmung auszukurieren und mich zweitens auf den morgigen Gipfelsturm vorzubereiten. Abends schaute ich wie an den Tagen zuvor Fernsehen und begab mich bereits um 9 Uhr in das Reich der Träume.



5. Tag (Mittwoch, 10.11.2010)

Der heutige Tag versprach spannend zu werden. Mein Wecker klingelte um 6 Uhr. Ich machte mich bereit für eine anstrengende Bergbesteigung. Der Himmel war wolkenverhangen und ich musste ein wenig bangen. Wenn der Gipfel von Wolken umgeben wäre, würde ich ihn heute nicht besteigen können. Ich fuhr trotzdem mit einem Sammeltaxi zum Anticona Pass, der sich auf 4818 Metern über dem Meeresspiegel an Gletschern vorbei über die Anden windet. Mit Erleichterung konnte ich feststellen, dass der Monte Meiggs komplett wolkenfrei war. Ich wollte das Abenteuer anpacken. Zwar hatte ich schon letztes Jahr in Bolivien einen 5000er bestiegen, doch dort hatte uns ein Auto bereits auf 5300 Meter Höhe gebracht und die letzten Meter zum Gipfel lassen sich eigentlich nicht als richtiges Bergsteigen bezeichnen. Ich sah diesen Berg also als meinen ersten richtigen 5000er an. Nachdem ich mit einem Posten der Minengesellschaft Volcan abgemacht hatte, dass ich in einem Notfall mit meiner Taschenlampe Lichtzeichen geben würde, packte ich den nicht schwierigen, aber sehr anstrengenden Aufstieg an. Ich brauchte eine Stunde um den knapp 5100 Meter hohen Gipfel zu erreichen. Oben angekommen musste ich feststellen, dass sich innerhalb von wenigen Augenblicken der ganze Himmel zugezogen hatte. Ich konnte nur noch 10 Meter weit blicken und bekam es mit der Angst zu tun. Dazu kam noch ein eisiger Wind und Schnee, der mir in meinem Gesicht brannte. Glücklicher Weise hatte mein GPS Gerät meine Aufstiegsroute mit gezeichnet, und ich war froh, dass ich mich nach ihm richten konnte. Ich war insgesamt nur etwa 2 Minuten auf dem Gipfel, machte das obligatorische Gipfelfoto und wollte schnellst möglich, bevor das Wetter weiter verschlechtert, wieder nach Unten.

Erleichtert konnte ich feststellen, dass das Wetter wieder aufklarte. Es was wohl wirklich nur eine Wolke, die den Gipfel wenige Minuten eingehüllt hatte. Trotzdem stieg ich in einem Affentempo den Monte Meiggs herab. Nach einer halben Stunde kam ich wieder bei dem Posten an. Der Mitarbeiter wollte mir erst nachdem ich ihm mein Gipfelfoto gezeigt hatte glauben, dass ich wirklich ganz oben war. Ich war ganz schön erledigt, doch dieses Abenteuer werde ich in meinem Leben nie vergessen. Ich fühle, dass ich mit dem richtigen Training den 6000er schaffen kann.

Um Zurück nach La Oroya zu kommen stellte ich mich mit ausgestrecktem Daumen an die Straße. Nach kurzer Zeit hielt ein Geländewagen an. Der etwa 65 jährige Fahrer sah verdächtig nach Gringo aus, doch ich wechselte erst ein paar Worte auf Spanisch mit ihm. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass er Deutscher war. Er war seit den 70er Jahren als Pfarrer hier in Peru tätig. Ich führte mit ihm ein höchst interessantes Gespräch über meine Rolle als Freiwilliger, über die Stadt La Oroya und über die deutschen Kolonien in den Ostanden. Es ist erstaunlich, wo man überall auf der Welt auf Deutsche treffen kann.

Zurück in La Oroya duschte ich mich, packte meine Sachen und aß mein Mittagsmenü. Es ging mit dem Sammeltaxi nach Tarma. Tarma liegt nur noch auf etwa 3000 Metern Höhe und hat schon ein deutlich milderes Klima als La Oroya und Cerro de Pasco. Das fruchtbare Tal um diese Stadt gilt als das Hauptanbaugebiet für Blumen für die Hauptstadt. Die Innenstadt ist hauptsächlich im Kolonialstil gebaut. Mein Hostel mit Holzfußboden und hohen Decken hatte einen wunderschönen Patio und generell habe ich mich hier sehr wohl gefühlt. Tarma ist wirklich sehr schön und meiner Meinung nach eine echte Alternative zu Cusco. Zwar gibt es hier kein Machu Picchu, doch die Umgebung hat vor allem landschaftlich auch ihre Reize. Ich machte meinen Stadtrundgang und ging auf der Suche nach einem guten Ausblick wieder die Wohnviertel hinauf.

Früh am Abend ging ich bereits ins Hostel, weil ich die Strapazen des 5000ers noch deutlich in meinen Knochen und Muskeln spürte.

Als ich gerade noch einmal schnell auf der Straße eine Kleinigkeit essen wollte, kamen drei Holländer in das Hostel hereinspaziert. Es waren 2 Männer und eine Frau, etwa 35 Jahre alt, die auf den Spuren Che Guevara´s mit ihren Motorrädern in Südamerika unterwegs waren. Ich konnte es kaum fassen, dass ich hier Holländer traf. Ich schlug noch vor ein Bier zu trinken, doch sie schienen sehr gestresst, da eines ihrer Motorräder kaputt war und sie die Weiterreise bis nach Puallpa organisieren mussten. Ich ging also ohne ein Bier in Gesellschaft wieder früh schlafen und verbrachte eine erholsame, nicht kalte Nacht.


6. Tag (Donnerstag, 11.11.2010)

Ich traf die Holländer am nächsten Morgen noch einmal kurz auf der Straße, als ich gerade von eine Fototour und meine Frühstück zurück kam. Die Zeit reichte allerdings nur noch für eine kurze Verabschiedung, weil ich weiter nach La Merced wollte. Ich war also ein wenig traurig, dass ich keine Möglichkeit hatte, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, denn immerhin fand ich ihre Reise höchst interessant.

Es ging wieder mit einem Sammeltaxi nach La Merced. Die Strecke in diese Stadt, die nur noch auf 700 Metern Höhe bereits in tropischer Vegetation liegt war atemberaubend. Innerhalb von eineinhalb Stunden veränderte sich die Landschaft komplett. Wir fuhren an hunderten von Metern hohen Wasserfällen vorbei, immer Nahe am Abgrund und von immer grüner und dichter werdenden Vegetation umgeben. Ich musste an die Holländer denken, denn die Straße schrie förmlich danach, mit dem Motorrad befahren zu werden. Sie hatten sich jedoch für eine andere Route entschieden.

Angekommen in La Merced suchte ich mir erst mal wieder eine Unterkunft. Danach ging ich durch die Stadt und wäre fast, wie es mir beinahe auch schon in Tarma passiert war, eine eine Touristenfalle hereingefallen. Ich hätte beinahe an einer geführten Tour teilgenommen, bin im Nachhinein aber heilfroh, dass der Verstand gesiegt hat. Alles was dir eine Touristenagentur in Peru anbietet, kannst du auch auf eigene Faust und somit billiger und näher an der Bevölkerung durchziehen. Ich besuchte in La Merced eine alte Hängebrücke und einen Wasserfall, der den Namen „Catarata Tirol“ trägt. Der deutsche Einfluss in dieser Region Perus ist unübersehbar. Nach einer Mittagspause und einem abgesessenen Regenschauer ging ich mal wieder einen Berg hoch, um vom Aussichtspunkt die Stadt von Oben zu fotografieren.

Anschließen wollte ich ein wenig durch die Stadt schlendern, da höre ich auf der Plaza de Armas irgend jemanden nach mir rufen. Wer das war kann man sich ja schon fast denken. Bei einem Glas Bier erzählten mir die Holländer alles das, was mich am Vorabend so sehr interessiert hatte. Sie waren schon seit zwei Monaten unterwegs, und wollten bis nach Kolumbien kommen. Sie waren wirklich sehr cool drauf und wir hatten viel Spaß. Wir tauschten Handynummern aus und verblieben dabei, dass sie sich angekommen in Pucallpa bei mir melden sollen.

Im Anschluss ging ich noch eine halbe Stunde ins Internetcafé und dann auf den Markt um zu Abend zu essen. Hier traf ich Victor, einen Mitarbeiter der peruanischen Telefongesellschaft, der hier in der Selva Central zu arbeiten hatte. Ich musste mal wieder den Grund meines Aufenthaltes in Peru erzählen, was mich zuerst etwas nervte, da ich die gleiche Geschichte in den letzten Tagen bereits geschätzte 1000 Mal erzählt habe. Es entwickelte sich daraus aber ein nettes Gespräch und wir tauschten letztendlich Handynummern aus. Anschließend viel ich müde in mein Bett und schlief trotz Fernseher sofort ein.


7. Tag (Freitag, 12.11.2010)

Schon gestern Abend hatte ich mich auf ein leckeres Frühstück auf dem Markt gefreut. Auf dem Weg dorthin traf ich, wie konnte es auch anders sein, noch ein letztes mal die Holländer. Angekommen auf dem Markt blieb mir gar nichts übrig, als bei diesem Überangebot mir den Magen mit Essen voll zu schlagen. Nachdem ich nach einem Ananas-Papaya Saft, einer Empanada, einem Hühnchen Sandwich und einem großen Stück Schokoladen-Kokos Kuchen bereits bis oben hin vollgestopft war, entdeckte ich noch einen Verkäufer, der drei Ananas für einen Sol, also umgerechnet 30 Cent verkaufte. Da musste ich einfach zuschlagen. So stopfte ich noch eine Ananas in mich hinein. Ich hatte wirklich Bauchschmerzen, doch diese hatte ich mir ja selber eingebrockt.

Es ging heute mit dem Sammeltaxi nach Villa Rica. Nach eineinhalb Stunden auf überwiegend Staubpiste kam ich Mittags in der Kaffeehauptstadt Perus auf 1600 Meter an. Ich wurde von Erik und Bettina, zwei DED Weltwärtslern abgeholt und habe mit ihnen zusammen zu Mittag gegessen und bin mit Erik zu einem sehr schönen See gelaufen. Da die beiden Nachmittags wieder Arbeiten mussten, hatte ich ein wenig Zeit mich zu entspannen. Ich schlenderte durch Villa Rica, fuhr das letzte Mal zu einem Aussichtspunkt und schoss einige Fotos.

Abends stürzten wir uns dann in das Nachtleben von Villa Rica – schließlich galt es Bettinas Geburtstag nachzufeiern (sie wurde gestern 20). In einer urigen Bar nahmen wir ein paar Drinks zu uns, bis wir dann in die einzige Disco dieser Kleinststadt gingen. Zunächst war in dem schwarzen Loch nichts los. Doch langsam füllte sich der Laden ein wenig und wir hatten einen wirklich sehr netten und lustigen Abend.

Gegen 2 Uhr lag ich dann im Bett und hatte somit genau 4 Stunden Zeit zum schlafen, weil um 6 Uhr mein Wecker klingeln würde.


8. Tag (Samstag 13.11.2010)

Um 6 Uhr wurde ich so also aus meinem tiefen Schlaf gerissen und musste schnell meine Sachen packen. Nach kurzem Abschied von Erik und Bettina, die zwei wollten verständlicher Weise noch weiterschlafen, ging ich zu dem Abfahrtsort der Autos und Busse. Ich hatte mir bereits gestern ein Ticket für die Ladefläche eines Pickups gekauft. Ich erwartete eine ziemlich abenteuerliche Fahrt. Der Pickup würde mich zunächst bis Ciudad Conception bringen, von wo ich mir dann ein anderes Verkehrsmittel bis Pucallpa suchen müsste. Als ich wartend auf den Pickup sah, dass große Busse bis nach Pucallpa in Villa Rica vorbeifuhren, war ich ein bisschen verärgert, dass mir das vorher niemand gesagt hatte. Der Grund dafür war aber, dass die Hauptroute von Lima nach Pucallpa von den Cocabauern blockiert war und somit die Busse über diese Nebenstrecke, die noch gut befahrbar war – in wenigen Wochen wird die Regenzeit sie in eine Schlammpiste verwandeln – umgeleitet wurde.

Ich hatte aber bereits mein Ticket für den Pickup gekauft und wollte die nicht verfallen lassen. So ging es dann gegen 7 Uhr endlich los. Die Fahrt war sehr ruppig, staubig und die Abgase schienen immer genau in meine Nase zu ziehen. Nach etwa eineinhalb Stunden fahrt holten wir dann die Busse nach Pucallpa, es waren 6 an der Zahl, ein. Ich entschied kurzentschlossen umzusteigen. So hatte ich zwar für eine Teilstrecke zwei mal den Fahrpreis bezahlt, doch das war es mir in diesem Moment angesichts eines bequemen und geräumigen Bussitzplatzes wert.

Die Busfahrt wurde zu einem reinsten Abenteuer. Die einspurige Staubpiste ist eigentlich nicht für solch große Fahrzeuge ausgelegt. Der Bus musste mit äußerster Vorsicht durch die engen Kurven manövrieren. Sehr oft setzte sein Hinterteil auf dem Boden auf und bei Ausschwenken wurde auch mal eine Felswand mitgenommen. Drei mal mussten alle Passagiere aussteigen. Einmal, weil der Bus aufgesetzt war, einmal hatte sich das Trittbrett der Eingangstreppe nach der Kollision mit einem Stein im Reifen verhakt und einmal musste eine nicht gerade sehr vertrauenerweckende Holzbrücke ohne Passagier überfahren werden. Insgesamt war diese 14 Stündige Busfahrt aber ein tolles Erlebnis. Die Landschaft des Ostabhanges der Anden ist einfach nur einzigartig schön.

Ich kam gegen 9 Uhr Abends wieder in Pucallpa an.

Meine Reise hat sich in jeder Hinsicht gelohnt. Ich hatte tolle Begegnungen mit den Menschen und ihrem Land, habe unvergessliche Abenteuer erlebt und meine Fotogalerie ist um einiges reicher geworden. Das alleine Reisen hat mir sehr viel Spaß gebracht, wobei ich auch sagen muss, dass ich mich das ein oder andere Mal etwas einsam Gefühlt habe und es auch sehr schön ist, wenn man so unvergessliche Erlebnisse mit jemandem teilen kann.

Donnerstag, 4. November 2010

Es geht auf Reisen!

Nach Gesprächen mit Manuel und meiner Koordinatorin vom DED hat sich meine Stimmung wieder etwas aufgebessert. Ich muss mich zwar damit abfinden, dass ich hier bei AIDER als Freiwilliger beziehungsweise Praktikant in der Hierarchie am untersten Ende stehe, doch es gibt wohl doch einige Möglichkeiten für mich aktiv zu werden, die ich in der letzten Zeit dadurch, dass ich mich in meine Unterbeschäftigung selbst hinein gesteigert habe, nicht wahrgenommen habe. Ich kann zum Beispiel in einem Bienen- und Honigprojekt mitarbeiten und auf der Wiederaufforstungsfläche gibt es wohl auch einige Arbeiten, an denen ich teilnehmen kann. Außerdem soll bald der Holzkohleofen im Centro de Acopio zum ersten Mal gestartet werden, womit auch einiges an Datenerfassung verbunden sein wird. Hier kann ich laut Manuel auch mithelfen. Ich hoffe also, dass die nächste Zeit hier für mich ein bisschen abwechslungsreicher wird. Um die schlechte Stimmung der letzten Tage jedoch ganz hinter mir zu lassen, habe ich mich nun erst einmal entschieden, auf Reisen zu gehen. Ich wollte schon immer einmal ganz alleine unterwegs sein, ohne mit anderen abstimmen zu müssen, wann man aufsteht, was man als nächstes tut oder was man wo isst. Mein Chef hat mir ohne Probleme die nächste Woche freigegeben, sodass ich nun mit den nächten beiden Wochenenden 9 Tage Zeit habe, aus Pucallpa einmal raus zu kommen.

Meine geplante Route wird mich zunächst nach Huánuco führen. Dort werde ich wohl nur eine Nacht bleiben, um möglichst schnell in größere Höhen und kühleres Klima zu kommen. Ich möchte den Bergbaustädten Cerro de Pasco und La Oroya einen Besuch abstatten. Beide werden in meinem Reiseführer als hässlich und zu hoch und somit als nicht sehenswert abgestempelt. Doch ich, der sich leicht von Superlativen locken lässt, denke, dass diese Städte genau das richtige für mich sind. Cerro de Pasco liegt auf 4300 Metern Höhe und gilt somit als eine der höchsten Städte der Welt und la Oroya taucht bei mehreren Quellen unter den 10 verschmutztesten Orten der Welt auf. Ich erwarte keine schönen Kolonialbauten und Plätze wie in Cusco oder Arequipa. Doch ich denke, dass ich aus solchen Städten viel mehr mitnehmen kann als der typische Peru Tourist es aus Cusco, Puno und Arequipa tut. Schließlich spiegeln Cerro de Pasco und La Oroya den Alltag vieler Peruaner wieder, der aber in der Öffentlichkeit wenig Beachtung findet. Ich werde dort viele Fotos schießen und hoffe, dass ich mit der Bevölkerung ein wenig ins Gespräch komme.

In der Nähe von La Oroya befindet sich der Anticona Pass, der mit 4818 Metern Höhe ebenfalls eine Superlativ - eine der höchsten asphaltierten Straßen der Welt - darstellt. Von dort aus soll man einige leichte 5000er besteigen können. Als Vorbereitung für meine geplante 6000er Besteigung zusammen mit Konsti, einem anderen DED Freiwilligen, werde ich diesem Ort auch einen Besuch abstatten.

Die nächste Station könnte, soweit es die Zeit hergibt, Huncayo sein. Die 300.000 Einwohner zählende Andenstadt soll kulturell wohl ganz interessant sein. Mitlerweile muss sogar ich, der sonst überhaupt kein Kulturfan ist, zugeben, dass mir hier in Pucallpa ein bisschen von dieser fehlt.

Zurück nach Pucallpa möchte ich über die Carretera Merginal de la Selva fahren. Diese Nebenstrecke soll landschaftlich sehr beeindruckend sein. Ich müsste die Strecke aber in mehreren Etappen zurücklegen, weil es keinen durchgehenden Busverkehr gibt. Auf dem Weg könnte ich aber einen anderen DED Freiwilligen besuchen und eventuell einen Abstecher in die "deutsche Kolonie Perus", Oxapampa, machen. Wenn alles glatt läuft werde ich so am Sonntag, den 14.11. wieder in Pucallpa ankommen. Mein Chef hat mir jedoch gesagt, dass es kein Problem sei, wenn ich auch ein paar Tage später wieder komme, vorausgesetzt, dass ich mich im Büro telefonisch melde. Ich werde auf meiner Reise versuchen, so oft wie möglich ein Lebenszeichen von mir zu geben, denn ich weiß, Mama, dass es etwas anderes ist alleine in Peru zu reisen, als wenn man innerhalb von Deutschland mit der Deutschen Bahn, die allerdings auch immer für unvorhersehbare Überraschungen gut ist, von A nach B fährt. Nach meiner Reise wird euch wieder ein langer und ausführlicher Blogeintrag erwarten!

Freitag, 29. Oktober 2010

Calleria und Geburtstag in Pucallpa

Montag bis Mittwoch verbrachte ich mit Jojo in Calleria. Angesichts der kurzen Zeit konnte ich diesmal nicht so tief in das Leben dort einsteigen. Die Kurzreise diente hauptsächlich dem Zweck, dass Jojo auch einmal eine Shipibo Comunidad kennen lernt. Wir kamen wieder bei Richards Eltern unter und verbrachten dort diesmal zwar spinnenlose Nächte, dafür teilten wir das Haus aber mit umso mehr Ratten. Wir wurden zu jeder Mahlzeit reichlich von Richards Schwester bekocht und sind der gesamten Familie sehr nah gekommen. Das ging soweit, dass uns auf der Rückfahrt im Peke Peke Richards Vater fragte, ob wir nicht die Patenkinder seiner Frau werden wollten. Wir stimmten zu und wurden umgehend auf dem Boot mit Flusswasser getauft. Jetzt haben wir eine "Familie" in Calleria und können sie immer besuchen kommen wenn wir wollen. Ich persönlich weiß noch nicht ganz genau was ich davon halten soll. Alle Gringos, die über AIDER in eine der Shipibo Comunidades gefahren sind, sind bis jetzt Paten oder Patenkinder geworden. Es wird sich bei der nächsten Reise nach Calleria zeigen, ob das Interesse wirklich mir und unserer Freundschaft gilt, oder ob ich nur als potenzieller Artesaniakäufer gelte. Mein Gefühl sagt mir aber, dass die Beziehung schon tiefgründiger als nur kommerzieller Natur ist.

Zu erwähnen von dieser Reise ist, dass wir am Dienstag morgen wieder auf die Chacra, die Plantation von Richards Familie gefahren sind. Dort wachsen sehr viele tropische Pflanzen, allen voran riesige Bananenstauden. Wir haben reichlich Bananen geerntet und diese nach Shipibo Tradition mit einem getrockneten Bananenblatt, das zu einem Ring verknotet wird und mit dessen Hilfe die Stauden um die Stirn gehängt werden, zum Boot transportiert. Das Gewicht, das die meist viel kleineren Shipibos so tragen, ist wirklich unglaublich. Es fällt insgesamt auf, dass die Comuneros durch die Arbeit in der Natur außerordentlich kräftig sind und kaum Probleme haben auch schwerste Ladungen weite Strecken zu transportieren.

Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise war ein Comunidad-internes Fußballspiel. Es traten die Erwachsenen mit meiner Unterstützung gegen die Schüler der Secundaria an. Beide der Mannschaften hatten ihren eigenen Trikotsatz, es gab sogar einen Schiedsrichter und um den Großfeld-Rasenplatz hatten sich zahlreiche Zuschauer versammelt. Nachdem wir uns zur Halbzeit mit einer 4 zu 1 Führung schon in Sicherheit fühlten, wurde es nach dem 5 zu 5 kurz vor Schluss der Partie noch einmal sehr Spannend. Zum Glück schossen wir in der letzten Minute noch das erleichternde 6 zu 5. Mir hat das Spiel viel Spaß gebracht, obwohl ich zugeben muss, dass ich mit der Spielweise der Comuneros nicht so gut zurecht kam. Dazu kam noch, dass ich vorher mit Jojo knappe 2 Stunden durch den Wald gelaufen war und dass die Sonne an diesem Nachmittag mal wieder mit aller Kraft vom Himmel brannte. Insgesamt war ich meinem Team so vor allem in der zweiten Halbzeit keine große Unterstützung mehr. Wie gesagt hat es trotzdem Spaß gebracht und ich hatte nach knapp 3 Monaten endlich mal wieder die Möglichkeit an einem richtigen Fußballspiel teilzunehmen.

Neben diesen Aktivitäten erledigte ich noch einige kleine Arbeiten für das Müllprojekt. Ich zählte die Häuser und die vorhandenen Mülleimer, erstellte in meinem GPS Gerät, das Jojo mir aus Deutschland mitgebracht hatte, eine Karte der Comunidad und deutete schon einmal in Richards Familie die Möglichkeiten des Kompostierens an.

Insgesamt war der Ausflug nach Calleria rundum gelungen und ich habe umso mehr Lust, wieder eine längere Zeit dort zu verbringen.

Nun war gestern auch der 28.10., also mein 20. Geburtstag. Ich hatte ihn erlich gesagt im Vorhinein fast vergessen, muss aber sagen, dass ich doch einen sehr netten Tag hatte. Ich wurde morgens mit einem Frühstück, das meine Mitbewohner vorbereitet hatten, begrüßt. Es gab leckere Brötchen mit Wurst und Käse - Wurst und Käse sind für uns hier absolute Luxusgüter - und einen exzellenten Mango-Papaya-Maracuya Saft, der mir in meinem Geschenk, einem neuen Saftmixer, serviert wurde. Jojo hat mir ihr Geschenk und meine "Ali-Geburtstags-Box" überreicht. Die Box war wirklich Spitze! Ich danke euch dafür! Nachdem ich noch Lea´s Geschenk für mich in Ruhe ausgepackt habe ging es dann zur Arbeit. Hier wusste natürlich keiner von meinem Geburtstag. Im Laufe des Tages kamen aber immer mehr meiner Mitarbeiter an um mir zu gratulieren. Der Arbeitstag bot wenig Spektakuläres, womal ich mich momentan bezüglich meiner Arbeit sowieso auf einem Stimmungstief befinde. Dazu aber gleich noch mehr. Abends fuhr ich dann mit Melanie zusammen zu uns nach Hause, wo die Mädels bereits fleißig am Vorbereiten für ein kleines nettes Geburtstagszusammensein waren. Es kam noch Alex, der Mann von Daniela, vorbei und zusammen aßen wir Pizza und tranken Pina Collada aus dem Saftmixer. Nora und Amelie hatten mir auf ihrer Arbeit noch eine super leckere Geburtstagstorte gebacken, die dann auch gleich für unser familientypisches Kerzenausblas-Foto verwendet wurde. Laszlo überreichte mir noch eine aufblasbare Minigiraffe, die ich bei der nächsten Gelegenheit im Pool von AIDER ausprobieren werde. Um 1 Uhr viel ich todmüde ins Bett und konnte auf einen schönen Tag zurück blicken, der doch voller Überraschungen steckte und den mir meiner Mitbewohner wirklich sehr nett gemacht haben. Ich danke euch!

Nun möchte ich noch ein paar Worte zu meinem eben angesprochenen Stimmungtief verlieren. Mein Problem ist, dass ich sehr oft einen ganzen Tag im Büro sitze und nichts zu tun habe. Ich habe keine richtige Aufgabe bei AIDER und ich habe das Gefühl, das man hier nicht so richtig weiß, wer und was ich überhaupt bin und was man mit mir anfangen soll. Dazu kommt, dass ich meist alleine in meinem Büro sitze und somit vom Geschehen im Büro weitestgehend isoliert bin. Der einzige Lichtblick, das Müllprojekt, stagniert nun auch seit einiger Zeit und ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich es aus einem Interesse von AIDER heruas realisieren soll. Mir fehlen hier konkrete Anhaltspunkte. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich durch diese Umstände selbst so sehr beeinflussen lasse, dass ich oft demotiviert bin mir eine Aufgabe zu suchen. Um mein Problem zu lösen und mir eine Perspektive bei AIDER zu schaffen, habe ich nun ein Gespräch mit Manuel vereinbart. Er war bis jetzt die einzige Person bei AIDER, die mir, hauptsächlich in meinem ersten Monat, konkrete Aufgaben gegeben hat. Auch möchte ich den Besuch von unserer Koordinatorin am Wochenende nutzen, um mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Ich hoffe, dass ich so auch im Dialog mit dem Chef von AIDER meine Stimmung wieder aufbessern kann, und dass ich meiner momentanen Perspektivlosigkeit ein Ende setzen kann.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Wasserrohrbruch, Müll und Besuch aus Deutschland

Als ich nach meiner Kurzreise in die Comunidad hoffnungsvoll in mein Zimmer eintrat, musste ich leider feststellen, dass sich in den Tagen meiner Abwesenheit leider kaum etwas verändert hatte. Das Badezimmer war immer noch halbfertig und immer noch stand das halbe Wohnzimmer mitten im Raum. Langsam war ich von dieser Situation echt genervt. Ich wartete mitlerweile schon knapp einen Monat auf mein Zimmer. So entschloss ich mich, obwohl ich eigentlich nur noch in einem weichen und gemütlichen Bett liegen wollte, die Baustelle selber in die Hand zu nehmen. Am gleichen Abend schafften wir, das Wohnzimmer fertig zu machen und einzurichten. Ich konnte nun endlich mein Zimmer ausräumen. Doch damit fing die eigentliche Arbeit erst an. Ich beschloss die Wände zu streichen und ich musste einen Lichtschalter und eine Steckdose umlegen. So arbeitete ich noch den ganzen Abend und den ganzen Sonntag. Als ich dann mit dem Endputz Sonntag Abend fertig war, konnte ich endlich die erste Nacht in einem richtigen Zimmer schlafen. Es war wirklich sehr angenehm, obwohl ich noch mit der alten durchgelegenen Matratze vorlieb nehmen musste.

Am nächsten Morgen dann merkte ich, dass der Fußboden im Badezimmer nass war. Innerlich befürchtete ich schon das Schlimmste, doch ich führte die Nässe erst einmal darauf zurück, dass ich wohl am Vortag beim Putzen noch etwas Wasser auf dem Boden vergessen hatte. Als ich dann Abends von der Arbeit kam, wurde die Befürchtung zur Gewissheit. Irgendwo unter dem Waschbecken war ein Wasserrohr, die hier in Pucallpa aus Plastik sind, kaputt. Ich war mit meinen Nerven erst einmal am Ende. Innerlich malte ich mir schon wieder eine eingerissene Wand und ein total verstaubtes Zimmer aus. So beschloss ich, mir den morgigen Vormittag freizunehmen. Ich wollte nicht mehr, dass Bauarbeiter ohne meine Aufsicht in meinem Zimmer arbeiteten. Es ist einfach schon zu viel auf dieser Baustelle dreckig und kaputt gegangen.

So kam am nächsten Morgen ein Arbeiter vorbei und zusammen haben wir das Problem recht schnell gefunden und behoben. Die Arbeiter hatten zwei Wasserrohre so stramm verschraubt, dass eines der beiden an der Naht einfach aufgeplatzt ist und somit Wasser verlor. In den folgenden Tagen machte ich noch mein Regal fertig und Techy besorgte mir eine wirklich sehr bequeme Matratze. Mein Zimmer ist endlich fertig und ich fühle mich jetzt in meiner neuen Unterkunft richtig angekommen.

Müll begleitet mich in Pucallpa momentan täglich. Dadurch, dass ich mich mit ihm momentan auf der Arbeit beschäftige, fällt er mir in den Straßen ganz anders auf. Es ist wirklich unglaublich wie viel Müll in Pucallpa herumliegt und wie viel wertvoller Müll einfach nicht genutzt wird. Am Dienstag fuhr ich mit Melanie zunächst zu einem großen Recyclinghof. Hier werden PET Flaschen, Altmetall, PEAD Plastik und alte Schuhe aufgekauft und anschließend nach Lima transportiert. Die Möglichkeit, Müll zu verkaufen, ist jedoch vielen Pucallpinern noch gar nicht bewusst. Die steigenden Preise für recyclebaren Abfall zeigen jedoch, dass dieser Wirtschaftszweig in Peru momentan am wachsen ist und an Bedeutung gewinnt. Für uns war der Recyclinghof ein positives Beispiel für ein nachhaltiges und umweltverträgliches Müllmanagment.


die PET Flaschen werden nach Farben sortiert und anschließend zerschreddert

PET Flaschen sind mittlerweile zu einem richtigen Rohstoff avanciert

Anschließend fuhren wir zur Müllkippe von Pucallpa. Vom 22. Kilmoeter der Schnellstraße in Richtung Lima ging eine etwa 4 Kilometer lange Staubpiste ab. An der Schnellstraße selbst stand nur ein kleines Schild mit der Aufschrift: „Hier entsteht die Mülldeponie von Pucallpa“. Eine Mülldeponie bedeutet, dass der Müll kontrolliert und geordnet deponiert wird. Die Tatsache, dass ich vorher bereits im Internet die gleiche Information mit einem Datum aus dem Jahr 2005 gesehen hatte, ließ bereits erahnen, dass diese Mülldeponie alles andere als kontrolliert und geordnet sein würde. Als wir dann bei der Mülldeponie, beziehungsweise bei der Müllkippe ankamen, wurden alle Erwartungen zugrunde gemacht. Es war noch ekliger, noch schlimmer, als wir es uns vorgestellt hatten. Der Müll der Stadt Pucallpa wird hier auf einer riesigen Fläche wahllos in die Natur geworfen. Überall sind schwarze Geiher zu sehen, die den Müll nach Essbarem durchsuchen. In der Luft vermischt sich der Gestank von verfaulenden Abfällen mit dem Rauch der Feuer, die überall auflodern. Der Schaden, der hier Mensch und Natur zugefügt wird, ist enorm. Die Tatsache, dass sich seit 5 Jahren hier nichts verändert zu haben scheint zeigt für mich, dass sich keiner für das Müllproblem verantwortlich fühlt. Vielmehr wird dieses Problem meiner Meinung nach todgeschwiegen. Die Müllkippe befinden sich wie gesagt über 22 Kilometer, weit abgelegen außerhalb der Stadt...




diese Bilder sprechen für sich...

Besuch aus Deutschland erwartet mich und uns gleich in doppelter Ausführung. Am Donnerstag Abend hole ich Jojo vom Flughafen ab. Mit ihr werde ich neun Tage hier in Pucallpa und von Montag bis Mittwoch in Calleria verbringen. Außerdem kommen am Freitag, den 29.10., unsere Koordinatorin aus Lima mit ihrer Tochter und der weltwärts-Chef des DED aus Deutschland zu uns nach Pucallpa. Warum ausgerechnet wir von 850 Freiwilligen in aller Welt die Ehre haben, vom Chef besucht zu werden, werden wir wohl hoffentlich dann erfahren. Es ist momentan also sehr viel los in Pucallpa, weshalb mein Blog manchmal auch ein bisschen zu kurz kommt. Ich hoffe allerdings, dass ich euch meine Eindrücke trotzdem ausreichend vermitteln kann.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Curiaca und Pueblo Nuevo

Am Montag Nachmittag ging es für mich das zweite mal in eine Shipibo Comunidad. Zusammen mit dem AIDER Techniker Eder fuhr wir zunächst mit dem Mototaxi zum Hafen von Pucallpa. Unser Ziel war Curiaca. Curiaca ist im Vergleich zu Callería etwas größer und liegt flussaufwärts. Im Hafen waren einige etwa 25 Meter lange und 4 Meter breite ziemlich vollbepackte Boote festgemacht. Wir entschieden uns für die „Adonay“. Im Passagierraum, der sich über die gesamte Länge des Bootes hinzog, war schon eine Hängematte an die nächste gereit. Ich konnte mich zum Glück noch im hinteren Teil, genau neben dem riesigen und stinkenden chinesischen Motor, zwischen zwei andere Hängematten quetschen. Unter mir war jede Menge Ladung verstaut. Auf diesen Booten, die Colectivo genannt werden, wird anscheinend alles transportiert, was irgendwer irgendwo im Amazonasgebiet gerade braucht. Zwischen Papayas und Reissäcken, Bananenstauden und 3-Liter-Coca Cola Flaschen und jeder Menge anderer Ladung, war auch immer wieder das Krähen von Hühnern zu vernehmen.

Eder hatte nicht so viel Glück wie ich. Er musste die ganze Fahrt auf den Bänken an der Seite sitzen. Dazu sei gesagt, dass es sich bei dieser Fahrt nicht etwa um 6 Stunden wie nach Calleria handelte, sondern um ganze 24 Stunden. Flussaufwärts kamen wir gegen die starke Strömung nur langsam voran und an jedem noch so kleinen Hafen wurde Halt gemacht um Passagiere und Fracht auf- oder abzuladen.

Die Fahrt war wirklich sehr abenteuerlich. Da ich leider meine Decke und meine langen Klamotten in meiner Tasche verstaut hatte, die irgendwo im Boot, aber leider nicht bei mir war, fror ich ein wenig bei den doch recht kühlen Nachttemperaturen auf dem Fluss.

Um 3 Uhr am nächsten Nachmittag kamen wir dann endlich in Curiaca an. Curiaca liegt an einer kleinen Quebrada, die Caco heißt. Eine Quebrada hat die Form eines Flusses, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass sie keine Quelle besitzt, sondern ihr Wasser aus dem Fluss in den sie mündet, in diesem Fall der Ucayali, bezieht. Wir fingen direkt mit unserer Arbeit an, weil wir schon am Freitag zurück nach Pucallpa fahren und auch noch einer andern Comunidad, Pueblo Nuevo, einen Besuch abstatten wollten. Unsere Aufgabe für die nächsten Tage war erstens Daten für ein Kunsthandwerksprojekt zu erheben und zweitens mit den Holzfällern eine Baumzählung und Kartografierung im Wald zu planen.

die Quebrada "Caco"

Straße in Curiaca - es gibt hier keine Fahrzeuge und die Laternen werden auch nur zu Festlichkeiten angemacht, weil der Treibstoff für den Generator sehr teuer ist

typische Häuser

hier werden über ein Megaphon Tag und Nacht die Neuigkeiten in Curiaca verkündet

Das Kunsthandwerksprojekt verfolgt das Ziel, die Vermarktung der verschieden Produkte zu fördern und zwischen den verschieden Comunidades einen gesunden Wettbewerb und Zusammenarbeit zu fördern. Eder hatte einen ganzen Stapel Fragebögen dabei. So zogen wir von Haus zu Haus und füllten mit Hilfe von Silverio, einem anderen AIDER Techniker, der bereits vor Ort war und der uns bei Sprachhindernissen behilflich war (die geläufige Sprache in den Comunidades ist Shipibo - zwar wird Spanisch auch in der Schule unterrichtet und auch von vielen Leuten gesprochen, doch besonders die älteren Frauen haben ihre Probleme), die Fragebögen aus. Ich sollte mit meiner Kamera dokumentieren und die verschieden Produkte fotografieren.

Unterschrift für das Kunsthandwerksprojekt

Töpfereien mit Shipibo Muster


aus diesen Samen werden Armbänder hergestellt

Die Planung der Baumzählung belief sich darauf, dass Eder eine Versammlung einberief. Es waren zwar einige Männer da, doch sie schienen meines Erachtens desinteressiert an dem, was Eder erzählte. Ich bin gespannt, ob Eder´s Plan, Anfang November mit den Männern für 7 Tage in den Wald zu gehen und Bäume zu zählen, in die Tat umgesetzt wird.

So vergingen 3 Tage in Curiaca und ich hatte viel weniger Zeit als in Calleria am Leben der Comuneros teilzuhaben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das war zwar etwas schade, allerdings muss man bedenken, dass wir ja zum abeiten nach Curiaca gefahren sind. Der einzige wirkliche Kontakt, den ich mit den Comuneros hatte, war mit Alexander, dem 12 jährigen Sohn des Präsidenten des Holzfällerkomitees. Er war wirklich sehr intelligent. Es hat richtig Spaß gebracht sich mit ihm zu unterhalten, im Fluss (bzw. Quebrada) zu baden und wilde Früchte zu suchen. Für das Müllprojekt habe ich schließlich noch ein paar Fotos in Curiaca geschossen. Es war erschreckend zu sehen, wie viel Müll sich bereits im Gebüsch hinter den Häusern angesammelt hat. Curiaca hat im Gegensatz zu Calleria noch keinen einzigen Mülleimer, hat aber durch die regelmäßig verkehrenden Colectivos einen viel intensiveren Konsum von müllproduzierenden Produkten wie Keksen, Limonaden und Dosen. Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist außer Frage. Sofern das Projekt in die Tat umgesetzt wird, werde ich sicherlich wieder nach Curiaca fahren und werde dann hoffentlich etwas mehr von dieser Comunidad kennenlernen.

hinter den romantischen palmgedeckten Häusern der Comunidad sieht es leider allzu häufig so unromantisch aus

So ging es am Donnerstag Mittag dann auf nach Pueblo Nuevo. Wir entschieden uns zu Fuss zu gehen, weil ich noch etwas von dem Wald kennenlernen wollte. Auf dem einstündigen Weg rissen bereits nach 5 Minuten die Trageriemen meiner 6-Sol Wini Poo Tasche ab. Es war äußerst anstrengend die schätzungsweise 15 Kilo auf Schultern und Kopf bei 35 Grad Hitze zwischen dichtem Unterholz zu manövrieren. Zu allem Unglück führte uns das GPS Gerät auch an unserem Ziel vorbei. So erreichten wir erst nach eineinhalb Stunden völlig durchgeschwitzt Pueblo Nuevo. Diese Comunidad unterscheidet sich von der Größe her nicht wesentlich von Curiaca. Sie liegt ebenfalls an der Caco Quebrada. Im Zenturm liegt der Fußballplatz, um den sich Wohnhäuser und alle wichtigen Gebäude, wie die Schulen und das Holzwirtschaftrsbüro, in dem wir übernachteten, gruppieren. In Pueblo Nuevo mussten wir alles was wir in Curiaca gemacht hatten in nur etwa 24 Stunden schaffen. Demenstprechend lernte ich von dieser Comunidad noch weniger kennen.

Fußballplatz in Pueblo Nuevo

Auf diesem Herd wird gekocht

Am Freitag Mittag fuhren wir mit einem Peke Peke von Pueblo Nuevo zur Anlegestelle der Adonay. Man hat uns statt Benzin leider Petroleum verkauft. In einer hetzigen Aktion mussten wir so den Motor ausleeren und schnell Benzin besorgen. Hätten wir die Adonay verpasst, müssten wir 2 weitere Tage in Pueblo Nuevo oder Curiaca verbringen, was uns vor dem Hintergrund, dass all unsere Essensvorräte bereits aufgebraucht waren, als nicht sonderlich schön erschien. Schließlich kamen wir an der Anlegestelle an,und waren erleichtert, dass die Adonay noch nicht angekommen war. Wir mussten sogar noch 2 Stunden warten – hier in der Amazonía ticken die Uhren einfach ezwas anders – bis das farbenfrohe Boot endlich auftauchte. Die Rückfahrt war ähnlich wie die Hinfahrt. Auf dem Boot waren deutlich weniger Passagiere, doch es wurden 2000 Fuss Shihuahuaco, ein extrem hartes und schweres Tropenholz, geladen. Um mit der schweren Ladung nicht auf Sandbänke aufzulaufen und aus Angst vor Überfällen, verbrachten wir die Nacht in einem kleinen Hafen, weshalb die Rückfahrt, obwohl das Boot flussabwärts viel schneller fährt, auch 24 Stunden dauerte. Ich hatte noch ein recht interessantes Gespräch mit einem Argentinier, der im Regenwald an einer Ayahuasca Zeremonie teilgenommen hatte (Ayahuasca ist eine natürlich Droge, die aus einer bestimmten Liana bewonnen wird – man soll wohl Halluzinationen bekommen) und verbrachte dann eine mehr oder weniger erholsame Flussfahrt. So kam ich am Samstag Nachmittag nach nur 6 Tagen wieder zu Hause in Pucallpa an.