Nun ist es auch mir passiert. Ich wurde beklaut. Das ganze ist auf dem Flusscolectivo (Boot) nach Curiaca, die Comunidad, in der ich eigentlich die nächsten 2 Wochen verbringen wollte, passiert. Ich weiß, dass der Dieb meine eigene Dummheit bestraft hat. Der Rucksack hätte nicht geklaut werden müssen, wenn ich die Ratschläge, die mir von Kollegen gegeben wurden und dir mir sonst in meinem Leben schon oft über den Weg gelaufen sind, beachtet hätte. Man darf nicht in einem Land wie Peru in nur einer Tasche seine gesamten Wertsachen verstauen und man darf diese dann noch weniger unbeaufsichtigt lassen. Wenn dies dann auch noch nachts passiert, dann ist ein Diebstahl die logische Konsequenz. Wie ich trotzdem beide Fehler begehen konnte, weiß ich selber nicht genau, doch ich weiß, dass ich sie begangen habe und ich weiß auch, dass ich meine Kamera, mein GPS Gerät, meinen Geldbeutel mit 200 Soles (ca. 60 Euro) und meinem peruanischen Identifikationsdokument, mein Handy, meinen MP3 Player, meine Sonnenbrille, mein Taschenmesser, 3 Bücher, meinen Regenponcho und noch ein wenig Kleinkram nie wiedersehen werde. Da ich es vor meiner Ausreise nicht für nötig gehalten habe, eine Reisegepäckversicherung abzuschließen, werde ich auch auf diesem Weg keine Wiedergutmachung erhalten.
Wie das alles von Statten gegangen ist, werde ich nun ausführlich berichten. Am Mittwoch Nachmittag fuhr ich mit meinem Gepäck, der eben erwähnte Rucksack, ein größerer Rucksack mit Klamotten, Zelt und Schlafmatte, einem Sack mit Essen für 2 Wochen und einem 20 Liter Wasserkanister zum Hafen und bestieg das Boot "Willian Alfredo" (Das n ist kein Schreibfehler. In Peru werden Namen oft nach Gehör aufgeschrieben. So heißt hier Michael auch mal Maycol, Brian Brayan usw). Etwa um halb 4 lag ich in meiner Hängematte und wartete auf meinen Kollegen Hillario, der auch wenige Minuten später eintraf. Ich stellte meinen Rucksack auf eine Bank unter dem Fussende meiner Hängematte. Da ich noch einige Sms verschicken und mir etwas zu Essen kaufen wollte, holte ich mein Handy und meinen Geldbeutel aus dem Rucksack raus. Kurze Zeit später verstaute ich beides wieder im Rucksack und habe dabei gesehen, wie ein schlanker, großer, etwa 22 jähriger Peruaner mit einem blauen T-Shirt und lockigem Haar mich beobachtet hat. Eigentlich hätten hier schon die Alarmglocken läuten müssen, doch ich ließ den Rucksack an eben beschriebenem Platz stehen. Mein Kollege setzte sich im Folgenden neben meinen Rucksack. Das Boot fuhr los und langsam begann es dunkel zu werden. Der Peruaner mit dem blauen T-Shirt lag mit dem Kopf neben meinem Rucksack. Ich döste in meiner Hängematte und schaute immer mal wieder zu meinem Rucksack rüber, ob er noch da lag. Die Nacht brach herein und ich schlief ein, wachte aber oft wieder auf und habe meinen Rucksack immer an seinem Platz gesehen. Um etwa 1 Uhr bekam ich im Halbschlaf mit, wie mein Kollege angewiesen wurde, die Seite zu wechseln, da das Boot ein wenig Schlagseite hatte. Er nahm sein Gepäck mit und setzte sich an mein Kopfende. Meinen Rucksack ließ er an meinem Fussende stehen, sodass er nun alleine stand. Ich reagierte nicht auf die Situation. Wenig später ging ich noch einmal auf Toilette und habe meinen Rucksack an seinem Platz gesehen. Dies sollte die letzte Chance gewesen sein, ihn "zu retten" denn als ich etwa um halb 5 Uhr aufwachte waren mein Rucksack und der Peruaner mit dem blauen T-Shirt weg. Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt an der Anlegestelle von "Iparia". Nach Gesprächen mit verschieden Passagieren und der Bootsbesatzung konnten wir relativ sicher festlegen, dass der Typ mit meinem Rucksack entweder in Galilea oder Ahuaypa, etwa 2 Stunden flussabwärts ausgestiegen war.
Wie sollte ich nun reagieren? Ich hatte kein bisschen Geld und mein Kollege wusste auch nicht richtig mit der Situation umzugehen. Ich hätte wahrscheinlich in der Dunkelheit in dem mir unbekannten "Iparia" aussteigen sollen und mit dem nächsten Boot flussabwärts fahren sollen, doch ich entschied mich dafür, bis nach Curiaca zu fahren, um dort weitere Schritte einzuleiten. Um 1 Uhr Mittag am Donnerstag kamen wir endlich an. Ich rief im AIDER Büro an und wurde angewiesen, mit dem gleichen Boot wieder zurück zu fahren und in Galilea und Ahuaypa nach meinem Rucksack zu suchen.
Mir war bereits zu diesem Zeitpunkt und auch schon in den Stunden zuvor klar, dass diese Unternehmung wenig Sinn hatte. Ich hatte meinen Rucksack leichtsinnig "weggegeben" und dass ich ihn nie wieder sehen würde, war die einzig gerechte Strafe. Die Nachforschungen in den beiden Comunidades brachten wie zu erwarten nichts. Mein Kollege Hollario musste mich begleiten und hat so seine Bootsreise um weitere 24 Stunden verlängern müssen. Der Arme.
Ich kam am Freitag Nachmittag nach 48 Stunden auf dem Fluss wieder in Pucallpa an. Mein Rucksack mit fast allem wertvollen, was ich hier in Peru besitze, ist weg und ich werde ihn nie wieder sehen.
Ich bin vor allem wegen der Kamera sehr traurig. Auch wenn es blöd klingt, aber sie ist in den letzten Jahren auf meinen Reisen ein Teil von mir geworden. Das Fotografieren war für mich immer ein Mitgrund für Reisen. Ich stehe nun vor der Frage, ob ich mir noch hier in Peru eine neue Kamera zulegen soll. Momentan kann ich das noch nicht entscheiden. Dafür spricht, dass ich mein angefangenes Werk, eine ausführliche fotografische Dokumentation meines weltwärts Jahres, vortsetzen könnte. Dagegen spricht, dass ich unter Umständen damit rechnen müsste, dass mir auch eine zweite Kamera geklaut würde. Möglicherweise kann es sogar für mich eine Chance sein, dieses Land mit einem neuen Blick zu betrachten. Immerhin habe ich in den letzten Jahren viele Situationen, Landschaften und Bilder nur durch die Linse meiner Canon gesehen und somit vielleicht die Realität verpasst.
Alles andere lässt sich glücklicherweise relativ problemlos, wenn auch finanziell aufwendig, richten. Ein neues Handy werde ich mir noch diese Woche kaufen und ich habe bereits die obligatorische Anzeige hinter mir, damit ich von der Deutschen Botschaft eine neue "Tarjeta Verde" ausgestellt bekomme.
Ich hoffe, dass ich duch dieses Ereignis in Zukunft besser auf meine (Wert)Sachen aufpassen werde. Da mir bis jetzt noch nie wirklich etwas geklaut wurde, war es vielleicht ganz gut, dass ich nun auf relativ harmlose Art und Weise wachgerüttelt wurde. Peru ist ein wunderschönes Land, ich habe hier unvergessliche Erlebnisse gehabt und werde sie sicherlich in Zukunft auch noch haben, doch man darf nicht vergessen, dass es auch eine Kehrseite gibt. Diese besteht aus hoher Kriminalität, Korruption und Armut. Dies habe ich in letzter Zeit anscheinend das ein oder andere Mal zu oft ausgeblendet und bin unvorsichtig durch das Leben hier gegangen. Ich hoffe, dass ich Donnerstag Morgen für meine Zukunft gelernt habe.
Wie das alles von Statten gegangen ist, werde ich nun ausführlich berichten. Am Mittwoch Nachmittag fuhr ich mit meinem Gepäck, der eben erwähnte Rucksack, ein größerer Rucksack mit Klamotten, Zelt und Schlafmatte, einem Sack mit Essen für 2 Wochen und einem 20 Liter Wasserkanister zum Hafen und bestieg das Boot "Willian Alfredo" (Das n ist kein Schreibfehler. In Peru werden Namen oft nach Gehör aufgeschrieben. So heißt hier Michael auch mal Maycol, Brian Brayan usw). Etwa um halb 4 lag ich in meiner Hängematte und wartete auf meinen Kollegen Hillario, der auch wenige Minuten später eintraf. Ich stellte meinen Rucksack auf eine Bank unter dem Fussende meiner Hängematte. Da ich noch einige Sms verschicken und mir etwas zu Essen kaufen wollte, holte ich mein Handy und meinen Geldbeutel aus dem Rucksack raus. Kurze Zeit später verstaute ich beides wieder im Rucksack und habe dabei gesehen, wie ein schlanker, großer, etwa 22 jähriger Peruaner mit einem blauen T-Shirt und lockigem Haar mich beobachtet hat. Eigentlich hätten hier schon die Alarmglocken läuten müssen, doch ich ließ den Rucksack an eben beschriebenem Platz stehen. Mein Kollege setzte sich im Folgenden neben meinen Rucksack. Das Boot fuhr los und langsam begann es dunkel zu werden. Der Peruaner mit dem blauen T-Shirt lag mit dem Kopf neben meinem Rucksack. Ich döste in meiner Hängematte und schaute immer mal wieder zu meinem Rucksack rüber, ob er noch da lag. Die Nacht brach herein und ich schlief ein, wachte aber oft wieder auf und habe meinen Rucksack immer an seinem Platz gesehen. Um etwa 1 Uhr bekam ich im Halbschlaf mit, wie mein Kollege angewiesen wurde, die Seite zu wechseln, da das Boot ein wenig Schlagseite hatte. Er nahm sein Gepäck mit und setzte sich an mein Kopfende. Meinen Rucksack ließ er an meinem Fussende stehen, sodass er nun alleine stand. Ich reagierte nicht auf die Situation. Wenig später ging ich noch einmal auf Toilette und habe meinen Rucksack an seinem Platz gesehen. Dies sollte die letzte Chance gewesen sein, ihn "zu retten" denn als ich etwa um halb 5 Uhr aufwachte waren mein Rucksack und der Peruaner mit dem blauen T-Shirt weg. Wir befanden uns zu diesem Zeitpunkt an der Anlegestelle von "Iparia". Nach Gesprächen mit verschieden Passagieren und der Bootsbesatzung konnten wir relativ sicher festlegen, dass der Typ mit meinem Rucksack entweder in Galilea oder Ahuaypa, etwa 2 Stunden flussabwärts ausgestiegen war.
Wie sollte ich nun reagieren? Ich hatte kein bisschen Geld und mein Kollege wusste auch nicht richtig mit der Situation umzugehen. Ich hätte wahrscheinlich in der Dunkelheit in dem mir unbekannten "Iparia" aussteigen sollen und mit dem nächsten Boot flussabwärts fahren sollen, doch ich entschied mich dafür, bis nach Curiaca zu fahren, um dort weitere Schritte einzuleiten. Um 1 Uhr Mittag am Donnerstag kamen wir endlich an. Ich rief im AIDER Büro an und wurde angewiesen, mit dem gleichen Boot wieder zurück zu fahren und in Galilea und Ahuaypa nach meinem Rucksack zu suchen.
Mir war bereits zu diesem Zeitpunkt und auch schon in den Stunden zuvor klar, dass diese Unternehmung wenig Sinn hatte. Ich hatte meinen Rucksack leichtsinnig "weggegeben" und dass ich ihn nie wieder sehen würde, war die einzig gerechte Strafe. Die Nachforschungen in den beiden Comunidades brachten wie zu erwarten nichts. Mein Kollege Hollario musste mich begleiten und hat so seine Bootsreise um weitere 24 Stunden verlängern müssen. Der Arme.
Ich kam am Freitag Nachmittag nach 48 Stunden auf dem Fluss wieder in Pucallpa an. Mein Rucksack mit fast allem wertvollen, was ich hier in Peru besitze, ist weg und ich werde ihn nie wieder sehen.
Ich bin vor allem wegen der Kamera sehr traurig. Auch wenn es blöd klingt, aber sie ist in den letzten Jahren auf meinen Reisen ein Teil von mir geworden. Das Fotografieren war für mich immer ein Mitgrund für Reisen. Ich stehe nun vor der Frage, ob ich mir noch hier in Peru eine neue Kamera zulegen soll. Momentan kann ich das noch nicht entscheiden. Dafür spricht, dass ich mein angefangenes Werk, eine ausführliche fotografische Dokumentation meines weltwärts Jahres, vortsetzen könnte. Dagegen spricht, dass ich unter Umständen damit rechnen müsste, dass mir auch eine zweite Kamera geklaut würde. Möglicherweise kann es sogar für mich eine Chance sein, dieses Land mit einem neuen Blick zu betrachten. Immerhin habe ich in den letzten Jahren viele Situationen, Landschaften und Bilder nur durch die Linse meiner Canon gesehen und somit vielleicht die Realität verpasst.
Alles andere lässt sich glücklicherweise relativ problemlos, wenn auch finanziell aufwendig, richten. Ein neues Handy werde ich mir noch diese Woche kaufen und ich habe bereits die obligatorische Anzeige hinter mir, damit ich von der Deutschen Botschaft eine neue "Tarjeta Verde" ausgestellt bekomme.
Ich hoffe, dass ich duch dieses Ereignis in Zukunft besser auf meine (Wert)Sachen aufpassen werde. Da mir bis jetzt noch nie wirklich etwas geklaut wurde, war es vielleicht ganz gut, dass ich nun auf relativ harmlose Art und Weise wachgerüttelt wurde. Peru ist ein wunderschönes Land, ich habe hier unvergessliche Erlebnisse gehabt und werde sie sicherlich in Zukunft auch noch haben, doch man darf nicht vergessen, dass es auch eine Kehrseite gibt. Diese besteht aus hoher Kriminalität, Korruption und Armut. Dies habe ich in letzter Zeit anscheinend das ein oder andere Mal zu oft ausgeblendet und bin unvorsichtig durch das Leben hier gegangen. Ich hoffe, dass ich Donnerstag Morgen für meine Zukunft gelernt habe.
Das tut mir unheimlich leid. Ich habe stets gehofft, dass Du von diesen oder auch ähnlichen Erfahrungen verschont bleiben würdest. Nun ist es doch passiert und Du mußt für die Zukunft wichtige Entscheidungen treffen! Vielleicht eine kleinere und günstigere Kamera kaufen, die Du auch in der Hosentasche tragen könntest??? Ich weiß, die zu treffende Entscheidung wird Dir nicht leicht fallen. Aber bevor Du gänzlich auf das Fotografieren verzichtest, besorg Dir halt etwas Günstiges; auch wenn Du vielleicht mit Qualitätseinbußen rechnen mußt. Alles andere wär schade bzw. zu risikoreich:
AntwortenLöschenLieber Alessandro,
AntwortenLöschenich bin froh, dass dich der Mut nicht verlässt und du auch die positiven Seiten dieser bitteren Erfahrung erkennst. Glücklicherweise sind deine ganzen Bilder auf deinem Labtop abgespeichert und nicht "geklaut". Eine neue Kamera wäre sicherlich die bessere Entscheidung. Es kann ja auch erst mal eine Gebrauchte sein. Es wäre Schade, wenn du jetzt mit dem Fotografieren aufhören würdest. Auch wenn dich manchmal die Langeweile plagt und du dir über den (Un-)Sinn dieses "weltwärts" Projektes so deine Gedanken machst, hätte es zumindest einen Sinn deine Erfahrungen fotografisch und natürlich auch schriftlich - wie so wunderbar in deinem blog - zu dokumentieren.
Kopf hoch und "Good luck for youuuu!"