Ist das das Paradies oder doch nur Peru?

Hallo liebe Leser. Vielen Dank für euer Interesse an, und eure Kommentare zu meinem Blog! Ich grüße euch aus Pucallpa!

Freitag, 29. Oktober 2010

Calleria und Geburtstag in Pucallpa

Montag bis Mittwoch verbrachte ich mit Jojo in Calleria. Angesichts der kurzen Zeit konnte ich diesmal nicht so tief in das Leben dort einsteigen. Die Kurzreise diente hauptsächlich dem Zweck, dass Jojo auch einmal eine Shipibo Comunidad kennen lernt. Wir kamen wieder bei Richards Eltern unter und verbrachten dort diesmal zwar spinnenlose Nächte, dafür teilten wir das Haus aber mit umso mehr Ratten. Wir wurden zu jeder Mahlzeit reichlich von Richards Schwester bekocht und sind der gesamten Familie sehr nah gekommen. Das ging soweit, dass uns auf der Rückfahrt im Peke Peke Richards Vater fragte, ob wir nicht die Patenkinder seiner Frau werden wollten. Wir stimmten zu und wurden umgehend auf dem Boot mit Flusswasser getauft. Jetzt haben wir eine "Familie" in Calleria und können sie immer besuchen kommen wenn wir wollen. Ich persönlich weiß noch nicht ganz genau was ich davon halten soll. Alle Gringos, die über AIDER in eine der Shipibo Comunidades gefahren sind, sind bis jetzt Paten oder Patenkinder geworden. Es wird sich bei der nächsten Reise nach Calleria zeigen, ob das Interesse wirklich mir und unserer Freundschaft gilt, oder ob ich nur als potenzieller Artesaniakäufer gelte. Mein Gefühl sagt mir aber, dass die Beziehung schon tiefgründiger als nur kommerzieller Natur ist.

Zu erwähnen von dieser Reise ist, dass wir am Dienstag morgen wieder auf die Chacra, die Plantation von Richards Familie gefahren sind. Dort wachsen sehr viele tropische Pflanzen, allen voran riesige Bananenstauden. Wir haben reichlich Bananen geerntet und diese nach Shipibo Tradition mit einem getrockneten Bananenblatt, das zu einem Ring verknotet wird und mit dessen Hilfe die Stauden um die Stirn gehängt werden, zum Boot transportiert. Das Gewicht, das die meist viel kleineren Shipibos so tragen, ist wirklich unglaublich. Es fällt insgesamt auf, dass die Comuneros durch die Arbeit in der Natur außerordentlich kräftig sind und kaum Probleme haben auch schwerste Ladungen weite Strecken zu transportieren.

Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise war ein Comunidad-internes Fußballspiel. Es traten die Erwachsenen mit meiner Unterstützung gegen die Schüler der Secundaria an. Beide der Mannschaften hatten ihren eigenen Trikotsatz, es gab sogar einen Schiedsrichter und um den Großfeld-Rasenplatz hatten sich zahlreiche Zuschauer versammelt. Nachdem wir uns zur Halbzeit mit einer 4 zu 1 Führung schon in Sicherheit fühlten, wurde es nach dem 5 zu 5 kurz vor Schluss der Partie noch einmal sehr Spannend. Zum Glück schossen wir in der letzten Minute noch das erleichternde 6 zu 5. Mir hat das Spiel viel Spaß gebracht, obwohl ich zugeben muss, dass ich mit der Spielweise der Comuneros nicht so gut zurecht kam. Dazu kam noch, dass ich vorher mit Jojo knappe 2 Stunden durch den Wald gelaufen war und dass die Sonne an diesem Nachmittag mal wieder mit aller Kraft vom Himmel brannte. Insgesamt war ich meinem Team so vor allem in der zweiten Halbzeit keine große Unterstützung mehr. Wie gesagt hat es trotzdem Spaß gebracht und ich hatte nach knapp 3 Monaten endlich mal wieder die Möglichkeit an einem richtigen Fußballspiel teilzunehmen.

Neben diesen Aktivitäten erledigte ich noch einige kleine Arbeiten für das Müllprojekt. Ich zählte die Häuser und die vorhandenen Mülleimer, erstellte in meinem GPS Gerät, das Jojo mir aus Deutschland mitgebracht hatte, eine Karte der Comunidad und deutete schon einmal in Richards Familie die Möglichkeiten des Kompostierens an.

Insgesamt war der Ausflug nach Calleria rundum gelungen und ich habe umso mehr Lust, wieder eine längere Zeit dort zu verbringen.

Nun war gestern auch der 28.10., also mein 20. Geburtstag. Ich hatte ihn erlich gesagt im Vorhinein fast vergessen, muss aber sagen, dass ich doch einen sehr netten Tag hatte. Ich wurde morgens mit einem Frühstück, das meine Mitbewohner vorbereitet hatten, begrüßt. Es gab leckere Brötchen mit Wurst und Käse - Wurst und Käse sind für uns hier absolute Luxusgüter - und einen exzellenten Mango-Papaya-Maracuya Saft, der mir in meinem Geschenk, einem neuen Saftmixer, serviert wurde. Jojo hat mir ihr Geschenk und meine "Ali-Geburtstags-Box" überreicht. Die Box war wirklich Spitze! Ich danke euch dafür! Nachdem ich noch Lea´s Geschenk für mich in Ruhe ausgepackt habe ging es dann zur Arbeit. Hier wusste natürlich keiner von meinem Geburtstag. Im Laufe des Tages kamen aber immer mehr meiner Mitarbeiter an um mir zu gratulieren. Der Arbeitstag bot wenig Spektakuläres, womal ich mich momentan bezüglich meiner Arbeit sowieso auf einem Stimmungstief befinde. Dazu aber gleich noch mehr. Abends fuhr ich dann mit Melanie zusammen zu uns nach Hause, wo die Mädels bereits fleißig am Vorbereiten für ein kleines nettes Geburtstagszusammensein waren. Es kam noch Alex, der Mann von Daniela, vorbei und zusammen aßen wir Pizza und tranken Pina Collada aus dem Saftmixer. Nora und Amelie hatten mir auf ihrer Arbeit noch eine super leckere Geburtstagstorte gebacken, die dann auch gleich für unser familientypisches Kerzenausblas-Foto verwendet wurde. Laszlo überreichte mir noch eine aufblasbare Minigiraffe, die ich bei der nächsten Gelegenheit im Pool von AIDER ausprobieren werde. Um 1 Uhr viel ich todmüde ins Bett und konnte auf einen schönen Tag zurück blicken, der doch voller Überraschungen steckte und den mir meiner Mitbewohner wirklich sehr nett gemacht haben. Ich danke euch!

Nun möchte ich noch ein paar Worte zu meinem eben angesprochenen Stimmungtief verlieren. Mein Problem ist, dass ich sehr oft einen ganzen Tag im Büro sitze und nichts zu tun habe. Ich habe keine richtige Aufgabe bei AIDER und ich habe das Gefühl, das man hier nicht so richtig weiß, wer und was ich überhaupt bin und was man mit mir anfangen soll. Dazu kommt, dass ich meist alleine in meinem Büro sitze und somit vom Geschehen im Büro weitestgehend isoliert bin. Der einzige Lichtblick, das Müllprojekt, stagniert nun auch seit einiger Zeit und ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich es aus einem Interesse von AIDER heruas realisieren soll. Mir fehlen hier konkrete Anhaltspunkte. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich durch diese Umstände selbst so sehr beeinflussen lasse, dass ich oft demotiviert bin mir eine Aufgabe zu suchen. Um mein Problem zu lösen und mir eine Perspektive bei AIDER zu schaffen, habe ich nun ein Gespräch mit Manuel vereinbart. Er war bis jetzt die einzige Person bei AIDER, die mir, hauptsächlich in meinem ersten Monat, konkrete Aufgaben gegeben hat. Auch möchte ich den Besuch von unserer Koordinatorin am Wochenende nutzen, um mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Ich hoffe, dass ich so auch im Dialog mit dem Chef von AIDER meine Stimmung wieder aufbessern kann, und dass ich meiner momentanen Perspektivlosigkeit ein Ende setzen kann.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

Wasserrohrbruch, Müll und Besuch aus Deutschland

Als ich nach meiner Kurzreise in die Comunidad hoffnungsvoll in mein Zimmer eintrat, musste ich leider feststellen, dass sich in den Tagen meiner Abwesenheit leider kaum etwas verändert hatte. Das Badezimmer war immer noch halbfertig und immer noch stand das halbe Wohnzimmer mitten im Raum. Langsam war ich von dieser Situation echt genervt. Ich wartete mitlerweile schon knapp einen Monat auf mein Zimmer. So entschloss ich mich, obwohl ich eigentlich nur noch in einem weichen und gemütlichen Bett liegen wollte, die Baustelle selber in die Hand zu nehmen. Am gleichen Abend schafften wir, das Wohnzimmer fertig zu machen und einzurichten. Ich konnte nun endlich mein Zimmer ausräumen. Doch damit fing die eigentliche Arbeit erst an. Ich beschloss die Wände zu streichen und ich musste einen Lichtschalter und eine Steckdose umlegen. So arbeitete ich noch den ganzen Abend und den ganzen Sonntag. Als ich dann mit dem Endputz Sonntag Abend fertig war, konnte ich endlich die erste Nacht in einem richtigen Zimmer schlafen. Es war wirklich sehr angenehm, obwohl ich noch mit der alten durchgelegenen Matratze vorlieb nehmen musste.

Am nächsten Morgen dann merkte ich, dass der Fußboden im Badezimmer nass war. Innerlich befürchtete ich schon das Schlimmste, doch ich führte die Nässe erst einmal darauf zurück, dass ich wohl am Vortag beim Putzen noch etwas Wasser auf dem Boden vergessen hatte. Als ich dann Abends von der Arbeit kam, wurde die Befürchtung zur Gewissheit. Irgendwo unter dem Waschbecken war ein Wasserrohr, die hier in Pucallpa aus Plastik sind, kaputt. Ich war mit meinen Nerven erst einmal am Ende. Innerlich malte ich mir schon wieder eine eingerissene Wand und ein total verstaubtes Zimmer aus. So beschloss ich, mir den morgigen Vormittag freizunehmen. Ich wollte nicht mehr, dass Bauarbeiter ohne meine Aufsicht in meinem Zimmer arbeiteten. Es ist einfach schon zu viel auf dieser Baustelle dreckig und kaputt gegangen.

So kam am nächsten Morgen ein Arbeiter vorbei und zusammen haben wir das Problem recht schnell gefunden und behoben. Die Arbeiter hatten zwei Wasserrohre so stramm verschraubt, dass eines der beiden an der Naht einfach aufgeplatzt ist und somit Wasser verlor. In den folgenden Tagen machte ich noch mein Regal fertig und Techy besorgte mir eine wirklich sehr bequeme Matratze. Mein Zimmer ist endlich fertig und ich fühle mich jetzt in meiner neuen Unterkunft richtig angekommen.

Müll begleitet mich in Pucallpa momentan täglich. Dadurch, dass ich mich mit ihm momentan auf der Arbeit beschäftige, fällt er mir in den Straßen ganz anders auf. Es ist wirklich unglaublich wie viel Müll in Pucallpa herumliegt und wie viel wertvoller Müll einfach nicht genutzt wird. Am Dienstag fuhr ich mit Melanie zunächst zu einem großen Recyclinghof. Hier werden PET Flaschen, Altmetall, PEAD Plastik und alte Schuhe aufgekauft und anschließend nach Lima transportiert. Die Möglichkeit, Müll zu verkaufen, ist jedoch vielen Pucallpinern noch gar nicht bewusst. Die steigenden Preise für recyclebaren Abfall zeigen jedoch, dass dieser Wirtschaftszweig in Peru momentan am wachsen ist und an Bedeutung gewinnt. Für uns war der Recyclinghof ein positives Beispiel für ein nachhaltiges und umweltverträgliches Müllmanagment.


die PET Flaschen werden nach Farben sortiert und anschließend zerschreddert

PET Flaschen sind mittlerweile zu einem richtigen Rohstoff avanciert

Anschließend fuhren wir zur Müllkippe von Pucallpa. Vom 22. Kilmoeter der Schnellstraße in Richtung Lima ging eine etwa 4 Kilometer lange Staubpiste ab. An der Schnellstraße selbst stand nur ein kleines Schild mit der Aufschrift: „Hier entsteht die Mülldeponie von Pucallpa“. Eine Mülldeponie bedeutet, dass der Müll kontrolliert und geordnet deponiert wird. Die Tatsache, dass ich vorher bereits im Internet die gleiche Information mit einem Datum aus dem Jahr 2005 gesehen hatte, ließ bereits erahnen, dass diese Mülldeponie alles andere als kontrolliert und geordnet sein würde. Als wir dann bei der Mülldeponie, beziehungsweise bei der Müllkippe ankamen, wurden alle Erwartungen zugrunde gemacht. Es war noch ekliger, noch schlimmer, als wir es uns vorgestellt hatten. Der Müll der Stadt Pucallpa wird hier auf einer riesigen Fläche wahllos in die Natur geworfen. Überall sind schwarze Geiher zu sehen, die den Müll nach Essbarem durchsuchen. In der Luft vermischt sich der Gestank von verfaulenden Abfällen mit dem Rauch der Feuer, die überall auflodern. Der Schaden, der hier Mensch und Natur zugefügt wird, ist enorm. Die Tatsache, dass sich seit 5 Jahren hier nichts verändert zu haben scheint zeigt für mich, dass sich keiner für das Müllproblem verantwortlich fühlt. Vielmehr wird dieses Problem meiner Meinung nach todgeschwiegen. Die Müllkippe befinden sich wie gesagt über 22 Kilometer, weit abgelegen außerhalb der Stadt...




diese Bilder sprechen für sich...

Besuch aus Deutschland erwartet mich und uns gleich in doppelter Ausführung. Am Donnerstag Abend hole ich Jojo vom Flughafen ab. Mit ihr werde ich neun Tage hier in Pucallpa und von Montag bis Mittwoch in Calleria verbringen. Außerdem kommen am Freitag, den 29.10., unsere Koordinatorin aus Lima mit ihrer Tochter und der weltwärts-Chef des DED aus Deutschland zu uns nach Pucallpa. Warum ausgerechnet wir von 850 Freiwilligen in aller Welt die Ehre haben, vom Chef besucht zu werden, werden wir wohl hoffentlich dann erfahren. Es ist momentan also sehr viel los in Pucallpa, weshalb mein Blog manchmal auch ein bisschen zu kurz kommt. Ich hoffe allerdings, dass ich euch meine Eindrücke trotzdem ausreichend vermitteln kann.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Curiaca und Pueblo Nuevo

Am Montag Nachmittag ging es für mich das zweite mal in eine Shipibo Comunidad. Zusammen mit dem AIDER Techniker Eder fuhr wir zunächst mit dem Mototaxi zum Hafen von Pucallpa. Unser Ziel war Curiaca. Curiaca ist im Vergleich zu Callería etwas größer und liegt flussaufwärts. Im Hafen waren einige etwa 25 Meter lange und 4 Meter breite ziemlich vollbepackte Boote festgemacht. Wir entschieden uns für die „Adonay“. Im Passagierraum, der sich über die gesamte Länge des Bootes hinzog, war schon eine Hängematte an die nächste gereit. Ich konnte mich zum Glück noch im hinteren Teil, genau neben dem riesigen und stinkenden chinesischen Motor, zwischen zwei andere Hängematten quetschen. Unter mir war jede Menge Ladung verstaut. Auf diesen Booten, die Colectivo genannt werden, wird anscheinend alles transportiert, was irgendwer irgendwo im Amazonasgebiet gerade braucht. Zwischen Papayas und Reissäcken, Bananenstauden und 3-Liter-Coca Cola Flaschen und jeder Menge anderer Ladung, war auch immer wieder das Krähen von Hühnern zu vernehmen.

Eder hatte nicht so viel Glück wie ich. Er musste die ganze Fahrt auf den Bänken an der Seite sitzen. Dazu sei gesagt, dass es sich bei dieser Fahrt nicht etwa um 6 Stunden wie nach Calleria handelte, sondern um ganze 24 Stunden. Flussaufwärts kamen wir gegen die starke Strömung nur langsam voran und an jedem noch so kleinen Hafen wurde Halt gemacht um Passagiere und Fracht auf- oder abzuladen.

Die Fahrt war wirklich sehr abenteuerlich. Da ich leider meine Decke und meine langen Klamotten in meiner Tasche verstaut hatte, die irgendwo im Boot, aber leider nicht bei mir war, fror ich ein wenig bei den doch recht kühlen Nachttemperaturen auf dem Fluss.

Um 3 Uhr am nächsten Nachmittag kamen wir dann endlich in Curiaca an. Curiaca liegt an einer kleinen Quebrada, die Caco heißt. Eine Quebrada hat die Form eines Flusses, unterscheidet sich jedoch dadurch, dass sie keine Quelle besitzt, sondern ihr Wasser aus dem Fluss in den sie mündet, in diesem Fall der Ucayali, bezieht. Wir fingen direkt mit unserer Arbeit an, weil wir schon am Freitag zurück nach Pucallpa fahren und auch noch einer andern Comunidad, Pueblo Nuevo, einen Besuch abstatten wollten. Unsere Aufgabe für die nächsten Tage war erstens Daten für ein Kunsthandwerksprojekt zu erheben und zweitens mit den Holzfällern eine Baumzählung und Kartografierung im Wald zu planen.

die Quebrada "Caco"

Straße in Curiaca - es gibt hier keine Fahrzeuge und die Laternen werden auch nur zu Festlichkeiten angemacht, weil der Treibstoff für den Generator sehr teuer ist

typische Häuser

hier werden über ein Megaphon Tag und Nacht die Neuigkeiten in Curiaca verkündet

Das Kunsthandwerksprojekt verfolgt das Ziel, die Vermarktung der verschieden Produkte zu fördern und zwischen den verschieden Comunidades einen gesunden Wettbewerb und Zusammenarbeit zu fördern. Eder hatte einen ganzen Stapel Fragebögen dabei. So zogen wir von Haus zu Haus und füllten mit Hilfe von Silverio, einem anderen AIDER Techniker, der bereits vor Ort war und der uns bei Sprachhindernissen behilflich war (die geläufige Sprache in den Comunidades ist Shipibo - zwar wird Spanisch auch in der Schule unterrichtet und auch von vielen Leuten gesprochen, doch besonders die älteren Frauen haben ihre Probleme), die Fragebögen aus. Ich sollte mit meiner Kamera dokumentieren und die verschieden Produkte fotografieren.

Unterschrift für das Kunsthandwerksprojekt

Töpfereien mit Shipibo Muster


aus diesen Samen werden Armbänder hergestellt

Die Planung der Baumzählung belief sich darauf, dass Eder eine Versammlung einberief. Es waren zwar einige Männer da, doch sie schienen meines Erachtens desinteressiert an dem, was Eder erzählte. Ich bin gespannt, ob Eder´s Plan, Anfang November mit den Männern für 7 Tage in den Wald zu gehen und Bäume zu zählen, in die Tat umgesetzt wird.

So vergingen 3 Tage in Curiaca und ich hatte viel weniger Zeit als in Calleria am Leben der Comuneros teilzuhaben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das war zwar etwas schade, allerdings muss man bedenken, dass wir ja zum abeiten nach Curiaca gefahren sind. Der einzige wirkliche Kontakt, den ich mit den Comuneros hatte, war mit Alexander, dem 12 jährigen Sohn des Präsidenten des Holzfällerkomitees. Er war wirklich sehr intelligent. Es hat richtig Spaß gebracht sich mit ihm zu unterhalten, im Fluss (bzw. Quebrada) zu baden und wilde Früchte zu suchen. Für das Müllprojekt habe ich schließlich noch ein paar Fotos in Curiaca geschossen. Es war erschreckend zu sehen, wie viel Müll sich bereits im Gebüsch hinter den Häusern angesammelt hat. Curiaca hat im Gegensatz zu Calleria noch keinen einzigen Mülleimer, hat aber durch die regelmäßig verkehrenden Colectivos einen viel intensiveren Konsum von müllproduzierenden Produkten wie Keksen, Limonaden und Dosen. Dass hier Handlungsbedarf besteht, ist außer Frage. Sofern das Projekt in die Tat umgesetzt wird, werde ich sicherlich wieder nach Curiaca fahren und werde dann hoffentlich etwas mehr von dieser Comunidad kennenlernen.

hinter den romantischen palmgedeckten Häusern der Comunidad sieht es leider allzu häufig so unromantisch aus

So ging es am Donnerstag Mittag dann auf nach Pueblo Nuevo. Wir entschieden uns zu Fuss zu gehen, weil ich noch etwas von dem Wald kennenlernen wollte. Auf dem einstündigen Weg rissen bereits nach 5 Minuten die Trageriemen meiner 6-Sol Wini Poo Tasche ab. Es war äußerst anstrengend die schätzungsweise 15 Kilo auf Schultern und Kopf bei 35 Grad Hitze zwischen dichtem Unterholz zu manövrieren. Zu allem Unglück führte uns das GPS Gerät auch an unserem Ziel vorbei. So erreichten wir erst nach eineinhalb Stunden völlig durchgeschwitzt Pueblo Nuevo. Diese Comunidad unterscheidet sich von der Größe her nicht wesentlich von Curiaca. Sie liegt ebenfalls an der Caco Quebrada. Im Zenturm liegt der Fußballplatz, um den sich Wohnhäuser und alle wichtigen Gebäude, wie die Schulen und das Holzwirtschaftrsbüro, in dem wir übernachteten, gruppieren. In Pueblo Nuevo mussten wir alles was wir in Curiaca gemacht hatten in nur etwa 24 Stunden schaffen. Demenstprechend lernte ich von dieser Comunidad noch weniger kennen.

Fußballplatz in Pueblo Nuevo

Auf diesem Herd wird gekocht

Am Freitag Mittag fuhren wir mit einem Peke Peke von Pueblo Nuevo zur Anlegestelle der Adonay. Man hat uns statt Benzin leider Petroleum verkauft. In einer hetzigen Aktion mussten wir so den Motor ausleeren und schnell Benzin besorgen. Hätten wir die Adonay verpasst, müssten wir 2 weitere Tage in Pueblo Nuevo oder Curiaca verbringen, was uns vor dem Hintergrund, dass all unsere Essensvorräte bereits aufgebraucht waren, als nicht sonderlich schön erschien. Schließlich kamen wir an der Anlegestelle an,und waren erleichtert, dass die Adonay noch nicht angekommen war. Wir mussten sogar noch 2 Stunden warten – hier in der Amazonía ticken die Uhren einfach ezwas anders – bis das farbenfrohe Boot endlich auftauchte. Die Rückfahrt war ähnlich wie die Hinfahrt. Auf dem Boot waren deutlich weniger Passagiere, doch es wurden 2000 Fuss Shihuahuaco, ein extrem hartes und schweres Tropenholz, geladen. Um mit der schweren Ladung nicht auf Sandbänke aufzulaufen und aus Angst vor Überfällen, verbrachten wir die Nacht in einem kleinen Hafen, weshalb die Rückfahrt, obwohl das Boot flussabwärts viel schneller fährt, auch 24 Stunden dauerte. Ich hatte noch ein recht interessantes Gespräch mit einem Argentinier, der im Regenwald an einer Ayahuasca Zeremonie teilgenommen hatte (Ayahuasca ist eine natürlich Droge, die aus einer bestimmten Liana bewonnen wird – man soll wohl Halluzinationen bekommen) und verbrachte dann eine mehr oder weniger erholsame Flussfahrt. So kam ich am Samstag Nachmittag nach nur 6 Tagen wieder zu Hause in Pucallpa an.

Tingo Maria

Endlich habe ich es geschafft, Tingo Maria zu besuchen. Nachdem die Cocaleros meinen Plan schon einige Male zunichte gemacht hatten, ging es am Freitag, den 08.10.2010 zusammen mit den anderen 4 DED Weltwärtslern auf die 8 stündige Busreise. Die Fahrt war zunächst nicht sonderlich spektakulär, da bis Aguaytia, 180 Kilometer von Pucallpa, weitgehend Sekundärwälder und Weideflächen das Landschaftsbild prägten. Nach Aguaytia jedoch tauchte am Horizont die Silouette der Cordillera Azul, der blauen Gebirgskette, auf. Für mich war es ein sehr schönes Gefühl, nach einem Jahr endlich wieder die Ausläufer der Anden, diesem beeindruckenden Gebirge, zu sehen. Durch eine spektakuläre Schlucht, dem Boqueron del Padre de Abad, führte uns die Straße immer weiter nach Oben. Die fast senkrechten und schätzungsweise 500 Meter hohen Bergwände neben der Straße waren von tropischer Vegetation überwuchert und immer wieder stürtzten Wasserfälle direkt neben der Straße in die Tiefe und fanden ihren Weg in den reißenden Fluss. Der Boqueron del Padre de Abad ist eine wirklich beeindruckende Landschaft, der ich wohl bald an einem Wochenende einen ausführlicheren Besuch abstatten werde.

Die Straße führte weiter bis zu einem 1600 Meter hohen Pass. Von dort an ging es nur noch bergab – zum Glück waren der Bus und seine Bremsen in einem akzeptablen Zustand – bis nach Tingo Maria. Tingo Maria liegt zwischen mehreren waldbedeckten Bergen in einem kleinen Talkessel. Eine der Atraktionen dieser Stadt ist ein Berg, „La Bella Durmiente“, der an eine „schlafende Schönheit“ erinnert. Der weitgehen primäre Regenwald bietet viele Naturerlebnisse und das Kilma ist durch die höhere Lage auch angenehmer als in Pucallpa.



die schlafende Schönheit

Tingo´s Hauptstraße

Angekommen in Tingo Maria gingen wir erst einmal auf Hostelsuche. Auf der Hauptsraße im Zentrum begegneten wir dann zufällig zwei „Gringas“. Sie gingen erst an uns vorbei, drehten sich dann aber um und sprachen uns auf Deutsch an. Es waren Judith und Franzi, zwei Weltwärtslerinnen der Organisation „Ecoselva“. So haben wir bereits das zweite Mal – das erste Mal war auf dem Oktoberfest in Pucallpa – zufällig deutsche Weltwärtsler getroffen. Die Weltwärtsler-Welt ist echt klein:-) Nachdem wir dann ein 7 Sol 50 (1,80€) Hostel gefunden haben, zogen wir noch ein bisschen durch die Straßen Tingos.

Am Samstag besuchten wir den „Parque Nacional de Tingo Maria“. Hier wanderten wir ein paar Stunden durch den tropischen Bergregenwald und machten an zwei Wasserfällen eine Badepause. Der Nationalpark war zwar recht klein, dadurch aber auch wenig frequentiert. Wir haben während der Wanderung nur eine andere Person auf dem Weg getroffen. Die Landschaft bediente fast alle Regenwaldklischees. Von bunten Vögeln über Blattschneiderameisen bis zu gigantischen Urwaldriesen gab es hier alles zu sehen. Abends gab es Essen auf dem Markt von Tingo und ein kaltes Bier in einer Bar.












Am Sonntag gingen wir um 6 Uhr Morgens zu der „Cueva de las Lechuzas“. Diese Höhle taucht in allen Reiseführern im Zusammenhang mit Tingo Maria auf. Ich war etwas enttäuscht, als wir bereits nach 3 Minuten das Ende des Rundganges durch die Höhle erreicht hatten. Zwar wurden wir Zeugen des allmorgendlichen Schrei- und Krächzkonzertes der Vogel in dieser Höhle, doch zu Augen bekamen wir sie auch nur schemenhaft, da meine Taschenlampe nicht stark genug war. Nachmittags gingen wir mit Andi, einem peruanischen Freund von Judith und Franzi, zur „Laguna de los Milagros“ - Lagune der Wunder. Da die Regenzeit noch nicht richtig eingesetzt hat, war diese Wunderlagune eher ein großes Wunderschlammloch. Das Baden hat aber trotzdem Spaß gemacht.






Kakao

Für mich hieß es Sonntag dann schon wieder Abschied nehmen von Tingo Maria. Montag erwartete mich meine zweite Reise in eine der Shipibo Comunidades. Dafür musste ich noch meine Sachen packen und Essen einkaufen. Nach einer 4 stündigen ziemlich rasanten Fahrt mit einem Minivan kam ich dann wieder in Pucallpa an. Tingo Maria ist eine Stadt, die es lohnt besucht zu werden. Ich nehme viele Eindrücke und Bilder des Bergregenwalds von dieser Reise mit. Doch nun hatte mich für wenigstens einen halben Tag die quirlige Urwaldstadt – Pucallpa – zurück. Langsam fühle ich mich hier echt ein wenig zu Hause!



Donnerstag, 7. Oktober 2010

Mein zu Hause

Nun wohne ich schon gut drei Wochen zusammen mit Nora, Amelie, Laszlo und Liza bei Techy. Der Umbau, der eigentlich ja so schnell gehen sollte, hat sich nun doch etwas in die Länge gezogen. Wir leben also momentan mehr oder weniger gemütlich auf einer Baustelle. Die Küchengeräte liegen vorübergehend auf dem Boden, mein Zimmer ist momentan noch eher ein Staubloch, das neue Wohnzimmer sieht noch aus wie ein Gefängnis und mittendrin läuft Kira, der verrückte kleine Hunde von Techy, herum, frisst den Zement auf und nutzt jede Gelegenheit auf die Straße zu fliehen, was für uns dann immer eine riesige Suchaktion bedeutet.

Mein Zimmer - an der Wand steht mein Regal - es fehlt noch eine Oberflächenbehandlung...momentan schwanke ich zwischen lackieren und ölen

Unser neues Wohnzimmer

Hier wohnen die anderen 4

Mein Zimmer von draußen

Unsere Küche

...

Viel Neues gibt es sonst nciht von mir zu berichten. Das Müllprojekt macht kleine Fortschritte und nach einer kleinen Abkühlung am Sonntag ist es wieder super heiß hier. Doch das Wochenende und die nächste Woche verprechen spannend zu werden. Es geht morgen mit den 4 anderen Freiwilligen nach Tingo Maria und am Monatg fahre ich mit Eder, einem Techniker von AIDER, in 24 Bootsstunden entfernte Comunidad. Ich werde schnellst möglich berichten!