Zu erwähnen von dieser Reise ist, dass wir am Dienstag morgen wieder auf die Chacra, die Plantation von Richards Familie gefahren sind. Dort wachsen sehr viele tropische Pflanzen, allen voran riesige Bananenstauden. Wir haben reichlich Bananen geerntet und diese nach Shipibo Tradition mit einem getrockneten Bananenblatt, das zu einem Ring verknotet wird und mit dessen Hilfe die Stauden um die Stirn gehängt werden, zum Boot transportiert. Das Gewicht, das die meist viel kleineren Shipibos so tragen, ist wirklich unglaublich. Es fällt insgesamt auf, dass die Comuneros durch die Arbeit in der Natur außerordentlich kräftig sind und kaum Probleme haben auch schwerste Ladungen weite Strecken zu transportieren.
Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise war ein Comunidad-internes Fußballspiel. Es traten die Erwachsenen mit meiner Unterstützung gegen die Schüler der Secundaria an. Beide der Mannschaften hatten ihren eigenen Trikotsatz, es gab sogar einen Schiedsrichter und um den Großfeld-Rasenplatz hatten sich zahlreiche Zuschauer versammelt. Nachdem wir uns zur Halbzeit mit einer 4 zu 1 Führung schon in Sicherheit fühlten, wurde es nach dem 5 zu 5 kurz vor Schluss der Partie noch einmal sehr Spannend. Zum Glück schossen wir in der letzten Minute noch das erleichternde 6 zu 5. Mir hat das Spiel viel Spaß gebracht, obwohl ich zugeben muss, dass ich mit der Spielweise der Comuneros nicht so gut zurecht kam. Dazu kam noch, dass ich vorher mit Jojo knappe 2 Stunden durch den Wald gelaufen war und dass die Sonne an diesem Nachmittag mal wieder mit aller Kraft vom Himmel brannte. Insgesamt war ich meinem Team so vor allem in der zweiten Halbzeit keine große Unterstützung mehr. Wie gesagt hat es trotzdem Spaß gebracht und ich hatte nach knapp 3 Monaten endlich mal wieder die Möglichkeit an einem richtigen Fußballspiel teilzunehmen.
Neben diesen Aktivitäten erledigte ich noch einige kleine Arbeiten für das Müllprojekt. Ich zählte die Häuser und die vorhandenen Mülleimer, erstellte in meinem GPS Gerät, das Jojo mir aus Deutschland mitgebracht hatte, eine Karte der Comunidad und deutete schon einmal in Richards Familie die Möglichkeiten des Kompostierens an.
Insgesamt war der Ausflug nach Calleria rundum gelungen und ich habe umso mehr Lust, wieder eine längere Zeit dort zu verbringen.
Nun war gestern auch der 28.10., also mein 20. Geburtstag. Ich hatte ihn erlich gesagt im Vorhinein fast vergessen, muss aber sagen, dass ich doch einen sehr netten Tag hatte. Ich wurde morgens mit einem Frühstück, das meine Mitbewohner vorbereitet hatten, begrüßt. Es gab leckere Brötchen mit Wurst und Käse - Wurst und Käse sind für uns hier absolute Luxusgüter - und einen exzellenten Mango-Papaya-Maracuya Saft, der mir in meinem Geschenk, einem neuen Saftmixer, serviert wurde. Jojo hat mir ihr Geschenk und meine "Ali-Geburtstags-Box" überreicht. Die Box war wirklich Spitze! Ich danke euch dafür! Nachdem ich noch Lea´s Geschenk für mich in Ruhe ausgepackt habe ging es dann zur Arbeit. Hier wusste natürlich keiner von meinem Geburtstag. Im Laufe des Tages kamen aber immer mehr meiner Mitarbeiter an um mir zu gratulieren. Der Arbeitstag bot wenig Spektakuläres, womal ich mich momentan bezüglich meiner Arbeit sowieso auf einem Stimmungstief befinde. Dazu aber gleich noch mehr. Abends fuhr ich dann mit Melanie zusammen zu uns nach Hause, wo die Mädels bereits fleißig am Vorbereiten für ein kleines nettes Geburtstagszusammensein waren. Es kam noch Alex, der Mann von Daniela, vorbei und zusammen aßen wir Pizza und tranken Pina Collada aus dem Saftmixer. Nora und Amelie hatten mir auf ihrer Arbeit noch eine super leckere Geburtstagstorte gebacken, die dann auch gleich für unser familientypisches Kerzenausblas-Foto verwendet wurde. Laszlo überreichte mir noch eine aufblasbare Minigiraffe, die ich bei der nächsten Gelegenheit im Pool von AIDER ausprobieren werde. Um 1 Uhr viel ich todmüde ins Bett und konnte auf einen schönen Tag zurück blicken, der doch voller Überraschungen steckte und den mir meiner Mitbewohner wirklich sehr nett gemacht haben. Ich danke euch!
Nun möchte ich noch ein paar Worte zu meinem eben angesprochenen Stimmungtief verlieren. Mein Problem ist, dass ich sehr oft einen ganzen Tag im Büro sitze und nichts zu tun habe. Ich habe keine richtige Aufgabe bei AIDER und ich habe das Gefühl, das man hier nicht so richtig weiß, wer und was ich überhaupt bin und was man mit mir anfangen soll. Dazu kommt, dass ich meist alleine in meinem Büro sitze und somit vom Geschehen im Büro weitestgehend isoliert bin. Der einzige Lichtblick, das Müllprojekt, stagniert nun auch seit einiger Zeit und ich habe noch nicht das Gefühl, dass ich es aus einem Interesse von AIDER heruas realisieren soll. Mir fehlen hier konkrete Anhaltspunkte. Ich muss allerdings zugeben, dass ich mich durch diese Umstände selbst so sehr beeinflussen lasse, dass ich oft demotiviert bin mir eine Aufgabe zu suchen. Um mein Problem zu lösen und mir eine Perspektive bei AIDER zu schaffen, habe ich nun ein Gespräch mit Manuel vereinbart. Er war bis jetzt die einzige Person bei AIDER, die mir, hauptsächlich in meinem ersten Monat, konkrete Aufgaben gegeben hat. Auch möchte ich den Besuch von unserer Koordinatorin am Wochenende nutzen, um mit ihr ein paar Worte zu wechseln. Ich hoffe, dass ich so auch im Dialog mit dem Chef von AIDER meine Stimmung wieder aufbessern kann, und dass ich meiner momentanen Perspektivlosigkeit ein Ende setzen kann.