Ist das das Paradies oder doch nur Peru?

Hallo liebe Leser. Vielen Dank für euer Interesse an, und eure Kommentare zu meinem Blog! Ich grüße euch aus Pucallpa!

Sonntag, 25. Juli 2010

Vorbereitungsseminar in Lützensömmern

Lützensömmern ist ein winziger Ort zwischen Erfurt und Nordhausen. Es gibt ein paar Häuser, eine Bahnhaltestation (Bahnhof wäre übertrieben) im etwa 5 Kilometer entfernten Gangloffsömmern und das Tagungshaus Rittergut. Hier fand vom 9.7. bis zum 17.7. mein Vorbereitungsseminar statt.

Wir waren insgesamt 60 Teilnehmer. Davon gehen jeweils ein Drittel nach Vietnam, Südafrika und Peru. Jeweils 10 Leute bildeten zusammen mit einem Tutor eine Länderarbeitsgruppe. Außerdem waren bei dem Seminar auch noch ASA und DED Leute anwesend und an einigen Tagen kamen noch Referenten von Außerhalb, die mit uns gearbeitet haben.

Ich hatte im Vorhinein einen sehr hohen Anspruch an dieses Seminar gestellt und hoffte, dass ich mehr über mein persönliches Projekt erfahren würde und man mir Unklarheiten und offene Fragen beantwortet könne. Ich merkte aber schnell, dass viele Fragen offen bleiben würden. Es ging bei dem Seminar nähmlich weniger um eine länder- und projektspezifische-, als vielmehr um eine allgemeine Vorbereitung unter der Fragestellung: "Wie verhalte ich mich als Deutscher in meinem Einsatzland?". Wir haben etwa in gleichen Teilen in unserer Länderarbeitsgruppe (LAG) und im Plenum gearbeitet. Unter anderem behandelten wir die Thematik des Rassismus. Thesen wie: "Rassismus kann nur von Weißen gegen Schwarze stattfinden" vielen mir zunächst schwer zu akzeptieren. Nachdem wir aber tiefer in die Thematik eingestiegen sind, unter anderem festgelegt haben, das Schwarz nicht in allen Fällen die Hautfarbe einer Schwarzen Person bezeichnet und ein 3-Schritte-Modell über Rassismus kennengelernt haben, konnte ich mich mehr und mehr in die Thematik hineindenken. Ich denke, dass dieses Thema äußerst relevant für meinen Auslandseinsatz ist, denn ich habe gelernt, dass Rassismus beinahe täglich in unserem Alltag auftaucht. So kann man die Aussage "Afrikaner haben Rhythmus im Blut" durchaus als rassistisch verstehen.

Neben Rassismus haben wir auch über Vorurteile geredet. Ich werde in Zukunft, bevor ich Aussagen über die Bewohner oder die Kultur eines Landes treffe, lieber zwei mal nachdenken, weil solche Aussagen meistens mit Vorurteilen und Stereothypen verbunden sind. Man kann nähmlich weder von "den Peruanern" noch von "den Deutschen" reden, weil sie sich jeweils aus Individuen zusammensetzen, die alle zusammen mit einer Aussage gar nicht erfasst werden können.

Ein weiteres Thema meines Seminars war die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Privilegien. Ich sollte während meines weltwärts Jahres immer im Hinterkopf behalten, dass ich als Unqualifizierter unter Umständen mehr verdiene als meine Arbeitskollegen. Auch werde ich im Notfall eine deutlich bessere gesundheitliche Versorgung als viele Peruaner genießen können. Diese Privilegien besitze ich auf Grund meiner Herkunft. Ich sollte sie schätzen und ich kann sie nicht verläugnen, aber ich sollte unbedingt darauf achten, dass ich mein Verhalten in Peru meinen Privilegien entsprechend gestalten werde.

Neben diesen allgemeinen Themen kam dann am letzten Seminartag eine ehemalige Weltwärtslerin, die zufällig einen Teil ihres Jahres in Pucallpa verbracht hat. Dort konnte ich dann wenigstens ein paar meiner Fragen klären, die mir auf der Seele brannten. Insgesamt bin ich im Nachhinein jedoch nicht traurig, dass das Seminar mich verhältnismäßig wenig auf meinen persönlichen Einsatzplatz vorbereitet hat. Mir wurden sehr viele wichtige Werte vermittelt und ich habe viel über meine Rolle als Deutscher in Peru nachgedacht. Ich finde es jetzt sogar ganz gut, dass ich nicht so viel über meinen Einsatzplatz weiß. So muss ich mich überraschen lassen und gehe unvoreingenommen an mein weltwärts Jahr heran.

Insgeamt war das Vorbereitungsseminar ein Erfolg für mich. Die Teilnehmer und Tutoren waren alle sehr nett, wir hatten neben den inhaltlich anspruchsvollen Themen immer wieder Ausgleich (Energizer, Rollenspiele etc.) und ich habe sehr viel gelernt.

1 Kommentar:

  1. Na Alessandro, dann kann es jetzt bald los gehen, um genau zu sein in 3 Tagen. Deine beiden Einstellungen sind sehr informativ und ich weiß jetzt auch genauer wo du dich rum treiben wirst. In den letzen Tagen wurden hier zuhause die letzen Vorbereitungen getroffen. Die Wäsche ist gewaschen, die letzten Dokumente sind kopiert, mein Skype ist installiert und es stapeln sich kleine Häufchen in deinem Zimmer. Du hast die ganze Organisation und Vorbereitung selbst in die Hand genommen und es waren nur kleine Dinge bei denen ich dich unterstützen durfte. Die letzen Tage sind jetzt eher entspannt und es heißt Abschied nehmen von Freunden, Familie, Lea und deinem Zuhause. Ich habe die letzen Tage hier zuhause mit dir sehr genossen und wir haben ja auch noch einige Dinge miteinander gemacht. Ich bin sehr gespannt auf deinen Blog und werde sicherlich regelmäßig rein schauen. Natürlich wird es auch Kommentare geben, aber ich weiß nicht ob hier oder lieber per Email. Die Welt ist vernetzt und wir können an deinem Abenteuer etwas teilhaben. In sieben Monaten sind wir ja dann schon vor Ort und werden einen genaueren Einblick erhalten.
    Jetzt heißt es erst mal viel Glück!
    Deine M.

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